Neulich klingelte es bei mir und Amazon stand vor der Tür. Ich habe doch gar nichts bestellt. Der Bote meinte nur: "Hier steht Ihr Name". Na schön, ich nehme es. Es war nicht das erste Mal, dass meine Daten missbraucht wurden, aber meistens kam die Lieferung dann von dubiosen Portalen, wo ich noch nie war und das will schon was heißen.
Als ich das Paket dann öffnete, fiel mir "True Crime Italy" von Katja Montejano in die Hände und mir wurde klar, da ist meine Meinung zu dem Buch gefragt. Es handelt sich um eine Autorin, die bei Amazon ihr Buch selbst veröffentlicht hat. Deswegen steht auch kein Preis aufgedruckt, da es nur an besonders harte Typen verkauft wird. Der Preis ist echt fair für solch ein Buch. Also kein Verbrechen. Die Welt ist gar nicht mal so schlecht, wie wir denken. Oder etwa doch?
Sogleich habe ich zu lesen angefangen. Die Autorin erzählt im Vorwort, was sie uns auf den folgenden Seiten schildert. Es sind ausgesuchte und bewegende Kriminalfälle aus Italien, die in der sogenannten Cronaca Nera vorkommen. Das sind italienische Verbrechens- und Unfallmeldungen. Also keine Fiktion, sondern die traurige Realität. Ich ahne und es wird mit der ersten Geschichte klar bestätigt, die Fälle sollten nicht gelesen werden, wenn ihr demnächst zu Bett gehen wollt. Das Buch wird einen beschäftigen, denn es gibt Opfer. Wir können uns vorstellen, was solche Erlebnisse und Ereignisse im Kopf eines Menschen ausrichten können. Die Autorin liefert nicht nur aus den Protokollen der Polizei, sondern auch aus medizinischen Gutachten einen Erklärungsversuch für uns. Doch auch, wenn es Hintergründe für Entwicklungen und logische wissenschaftlich begründete Meinungen für anormale Handlungen, Neigungen und Ausbrüche gibt, so fehlt mir der Verstand, wie rationell Verbrechen ausgeführt werden können ohne die Empathie für die Opfer zu entwickeln. Derartige Fälle sind ein Auszug aus der Vergangenheit, aber wir alle wissen, dass sie hier und jetzt, vielleicht sogar in dem Moment, wo ich diese Zeilen schreibe, passieren.
Das Buch bereitet uns schonungslos vor, zwar in Gedenken an die Opfer und deren Familien, aber nicht schonungslos gegenüber uns Lesern. Schaut Euch den gegenüber an. Es gibt faszinierende oder scheinbar nette Menschen, die Interesse für uns entwickeln. Dieses Interesse kann übersteigert bis krank bzw. kriminell sein. Keiner wird uns schützen, außer man selbst. Das Buch sehe ich daher als eine Warnung nicht nur Äußerlichkeiten und Äußerungen einer Person zu bewerten, sondern seinen Hintergrund. Die Autorin zeigt indirekt, wie sie vorgegangen ist. Wenn wir uns rechtzeitig mit den Hintergründen einer Person beschäftigen, dann können wir die Zukunft beeinflussen. Im ersten Fall hat der Mörder sogar ein Jahr vor seinem Verbrechen seine Überlegungen in einem Buch veröffentlicht. Lesen bildet? Ach was, Lesen kann das Überleben wahrscheinlicher machen.
Wer keine Zeit für Krimis hat und Cosy Crime zu kuschelig empfindet, der verfügt hier gleich über 10 unterschiedliche Kriminalfälle.
Ungewöhnlich ist, dass das Buch kein Inhaltsverzeichnis hat, wurde es in Polen, wo das Buch gedruckt worden ist, gestohlen?
Donnerstag, 10. Dezember 2020
Mittwoch, 9. Dezember 2020
Erzzauber von Marcus Wächtler
Es ist schon skurril, ich las 2020 gegen Jahresende einen Krimi namens "Erzzauber", der auf einem Weihnachtsmarkt als Kulisse spielte. Wehmütig schlendere ich in Gedanken mit Ariane darüber. Aber Moment, die quirlige Frau hängt mich ab, sie ist ständig unterwegs und hat was zu tun. Mal schleppt sie Kisten, später hantiert sie mit Pillen, oder untersucht etwas. Plötzlich stehe ich wie die anderen Weihnachtsmarktbesucher im Dunkeln.
Als es wieder hell wird, beobachte ich, dass sie sich nicht nur Freunde macht. Aber die resolute Frau lässt sich durch nichts abhalten. Selbst nicht durch mich. Dabei wollte ich doch nur... egal ich muss Seite um Seite lesen und lerne viel über diesen sehr speziellen Weihnachtsmarkt kennen. Vieles davon wollte ich eigentlich nicht wissen. Aber Ariane lässt nicht locker, denn sie hat bereits ihre Erfahrung in der Stadt Freiberg gesammelt, wo mitnichten immer alles nach rechten Dingen zugeht und die Polizei die Letzten sind, die eine Theorie entwickeln. Ariane scheint immer einen Nasenlänge voraus zu sein und hilft der Polizei auf die Sprünge. Im Gegenzug saugt sie das Wissen ihres Gegenübers aus. Einer Frau kann eben kein Mann widerstehen. Selbst üble Gestalten tun sich hart, die ihren Weg kreuzen.
Doch keine Angst, es handelt sich um Cosy-Crime. Das heißt, es gibt genügend Raum in dem Buch zum Durchatmen und Erholen und, um selbst über das gerade Erfahrene als Leser nachzudenken. Wie mag alles zusammenhängen? Warum? Wer kann das sein?
Der Autor Marcus Wächtler nutzt während wir so denken die Zeit, um uns allerhand Informationen über die Budenbetreiber, Freunde, die Weihnachtsmarktbesucher, die Geschichten aus den vorherigen Bänden, der Ablauf und die Organisation von Weihnachtsmärkten darzustellen. Woher der Autor das nur hat? Er verriet mir, dass er selber dieses Jahr eine Bude in Freiberg gemietet hatte zur Vermarktung seiner Bücher. Das hat offensichtlich nicht geklappt. Alle Weihnachtsmärkte sind abgesagt. Vielleicht ist es so auch sicherer für ihn, denn wir wollen ja noch mehr Bergstadtkrimis lesen.
Es ist übrigens nicht notwendig, die vorherigen Krimis zu lesen. Es gibt zum Verständnis jeweils zwei Kurzzusammenfassungen der Bücher. Ich habe sie gelesen und habe nur gedacht: "Aha, okay" und gleich wieder vergessen. Im Laufe des Buches gibt es ab und zu ein paar Bezüge auf die vergangenen Krimigeschichten. So tauchen in diesen Buch ein paar Bekannte auf. Zu guter Letzt auch ein mysteriöser Fall, der bereits in den vorherigen Bänden nicht aufgeklärt wurde, wird hier fortgesetzt. Ob es in diesem Buch eine erlösende Antwort gibt? Findet es heraus, ich habe so eine plötzliche Magen-Darm-Verstimmung.
Als es wieder hell wird, beobachte ich, dass sie sich nicht nur Freunde macht. Aber die resolute Frau lässt sich durch nichts abhalten. Selbst nicht durch mich. Dabei wollte ich doch nur... egal ich muss Seite um Seite lesen und lerne viel über diesen sehr speziellen Weihnachtsmarkt kennen. Vieles davon wollte ich eigentlich nicht wissen. Aber Ariane lässt nicht locker, denn sie hat bereits ihre Erfahrung in der Stadt Freiberg gesammelt, wo mitnichten immer alles nach rechten Dingen zugeht und die Polizei die Letzten sind, die eine Theorie entwickeln. Ariane scheint immer einen Nasenlänge voraus zu sein und hilft der Polizei auf die Sprünge. Im Gegenzug saugt sie das Wissen ihres Gegenübers aus. Einer Frau kann eben kein Mann widerstehen. Selbst üble Gestalten tun sich hart, die ihren Weg kreuzen.
Doch keine Angst, es handelt sich um Cosy-Crime. Das heißt, es gibt genügend Raum in dem Buch zum Durchatmen und Erholen und, um selbst über das gerade Erfahrene als Leser nachzudenken. Wie mag alles zusammenhängen? Warum? Wer kann das sein?
Der Autor Marcus Wächtler nutzt während wir so denken die Zeit, um uns allerhand Informationen über die Budenbetreiber, Freunde, die Weihnachtsmarktbesucher, die Geschichten aus den vorherigen Bänden, der Ablauf und die Organisation von Weihnachtsmärkten darzustellen. Woher der Autor das nur hat? Er verriet mir, dass er selber dieses Jahr eine Bude in Freiberg gemietet hatte zur Vermarktung seiner Bücher. Das hat offensichtlich nicht geklappt. Alle Weihnachtsmärkte sind abgesagt. Vielleicht ist es so auch sicherer für ihn, denn wir wollen ja noch mehr Bergstadtkrimis lesen.
Es ist übrigens nicht notwendig, die vorherigen Krimis zu lesen. Es gibt zum Verständnis jeweils zwei Kurzzusammenfassungen der Bücher. Ich habe sie gelesen und habe nur gedacht: "Aha, okay" und gleich wieder vergessen. Im Laufe des Buches gibt es ab und zu ein paar Bezüge auf die vergangenen Krimigeschichten. So tauchen in diesen Buch ein paar Bekannte auf. Zu guter Letzt auch ein mysteriöser Fall, der bereits in den vorherigen Bänden nicht aufgeklärt wurde, wird hier fortgesetzt. Ob es in diesem Buch eine erlösende Antwort gibt? Findet es heraus, ich habe so eine plötzliche Magen-Darm-Verstimmung.
Dienstag, 8. Dezember 2020
Reiter der Steppe - Kupferblut Saga
Als ich die ersten Seiten von Kupferblut von Julia Lalena Stöcken gelesen hatte, hatte ich den Eindruck, dass es sich nur um zwei Clans handelt, die sich wechselseitig attackieren. Es stellt sich heraus, dass einer schlimmer war als der andere. Gerade als ich mir ein paar Namen gemerkt hatte, waren sie schon dem Speer oder einem Kupferbeil zum Opfer gefallen. Das kann ja Eiter werden, dachte ich. Doch dann ging es los. Die Welt ist komplexer. Es gibt mehrere Sippen, mehrere Stammesführer, Schamanen, Sklaven, Intrigen, Entführungen, Verräter, Pferde, andere Pferde und nochmals Pferde. Ich glaube die Autorin ist ein Pferdefan. In einer solchen Geschichte, da darf natürlich Liebe nicht fehlen. Liebe zum Detail, aber auch Liebe zueinander. Über allem schwebt die Gefahr und die Suche nach Auswegen.
Machtvolle Positionen steigen den Stammesführern zu Kopf, daher fehlt es etwas an Weitsicht. Zum Glück gibt es Späher mit langem Atem, Ausdauer, halt so Sportler wie ich selbst einer bin, die auf ein langfristiges Ziel hinarbeiten.
Die Geschichte ist sehr dramatisch gehalten. Die Autorin spielt bewusst in der Szenenabfolge. In einem spannenden Augenblick endet ein Kapitel und ein anderer nicht minder interessanter Erzählstrang wird fortgeführt. Manchmal erfahren wir erst sehr viel später durch die Worte einer anderen Romanfigur, was passiert ist. Zuvor sind wir dann völlig überrascht worden. Es gibt sehr viele unvorhersehbare Wendungen- zumindest für mich, die das Buch nicht nur wegen der ungewöhnlichen Zeit, in der die Handlung spielt (3000 v. Chr. Kupferzeit in Osteuropa), außergewöhnlich unterhaltsam, sondern auch lehrreich machen:
Machtvolle Positionen steigen den Stammesführern zu Kopf, daher fehlt es etwas an Weitsicht. Zum Glück gibt es Späher mit langem Atem, Ausdauer, halt so Sportler wie ich selbst einer bin, die auf ein langfristiges Ziel hinarbeiten.
Die Geschichte ist sehr dramatisch gehalten. Die Autorin spielt bewusst in der Szenenabfolge. In einem spannenden Augenblick endet ein Kapitel und ein anderer nicht minder interessanter Erzählstrang wird fortgeführt. Manchmal erfahren wir erst sehr viel später durch die Worte einer anderen Romanfigur, was passiert ist. Zuvor sind wir dann völlig überrascht worden. Es gibt sehr viele unvorhersehbare Wendungen- zumindest für mich, die das Buch nicht nur wegen der ungewöhnlichen Zeit, in der die Handlung spielt (3000 v. Chr. Kupferzeit in Osteuropa), außergewöhnlich unterhaltsam, sondern auch lehrreich machen:
- Wir sehen, dass es aus ethischer Sicht gute und schlechte Menschen bei Gruppierungen gibt, die uns feindlich gesonnen sind. Nicht alles ist schlecht, manches machen sie sogar besser als wir.
- Wir sollten immer unsere Umgebung kennen und daher erkunden. Also geht raus vor die Tür und findet den vergessenen Pfad.
- Schamanen, unsere Götter in Weiß, können heilsam sein, doch sie können auch sehr schaden. Manchmal passieren unglaubliche Dinge, wenn wir fest daran glauben.
- In der Not kommt unverhofft Hilfe. Also nie aufgeben. Es wird sich zeigen, wer am Ende mehr Hufeisen-Glück findet und die beste Frau abbekommt.
- Respektvolle Behandlung der Mitmenschen kann sich auszahlen.
Irrassu: Das Sanatorium
Die rund 80 Buchseiten von "Irrassu" von Pascal Etienne Harm haben mich nach dem Lesen länger beschäftigt als das Lesen selbst. Es war in der Tat sehr kurzweilig und spannend geschrieben.
Ich habe gleich mal recherchiert, ob es das Sanatorium zu kaufen gibt, aber ich habe es nicht gefunden. Ich bin nur auf die Songtitel "Erasure" gestoßen. Erasure ist englisch und steht für ‚Löschung', ‚Tilgung', ‚Ausradierung'). Genuschelt auf Fränkisch klingt das so ähnlich wie IRRASSU. Tatsächlich geht es im Buch, um das Loswerden um psychotische Erkrankung.
Für die meisten Leser ist es sicherlich mehr als ein Abenteuer, ein Abenteuer ein Sanatorium zu besuchen. Unvorstellbar ist es, sich selbst freiwillig in Behandlung zu begeben. Schnell werden wir als verrückt und wahnsinnig von unserem Bekannten und Verwandten klassifiziert. Als Extremsportler höre ich das noch öfter als der Durchschnitt. Anders zu sein, möglicherweise in seiner Welt zu leben, ist doch nichts Schlechtes, oder? Es macht zumindest diejenigen krank, die es nicht verstehen, nachvollziehen und sich Sorgen machen.
In dem Buch begibt sich jedenfalls ein Mann freiwillig in ein abgeschiedenes Sanatorium zur Behandlung. Wir wissen nicht genau warum, aber vermutlich ist es auch nebensächlich für die Haupthandlung. Eigentlich ist die Haupthandlung auch nebensächlich, aber das werdet ihr schon sehen. Als Leser spüren wir, dass sich der Mann, die Pfleger, die Angestellten merkwürdig verhalten. Aber haben wir etwas anderes erwartet?
Das Buch nimmt nachdem wir das Leben im Sanatorium, die Räumlichkeiten, die Möglichkeiten zur Flucht kennengelernt haben, einen überraschenden Verlauf.
Leser, die ganz unvoreingenommen ins Buch einsteigen wollen, empfehle ich die nachfolgenden Zeilen mit meiner Interpretation später zu lesen. Sie sind notwendig, um zu begründen, warum ich zu einer sehr guten Bewertung gekommen bin.
Die Hauptfigur ein Mann, hat sich offenbar in die eigene Welt, ein Sanatorium zurückgezogen. Er hat Hoffnung, dass er dort nicht lange verweilen muss. Der Mann sieht, dass eine Patientin ein ähnliches Problem hat, wie er selbst. Unerwarteter Verlust einer geliebten Person. Er spürt wie verzweifelt sie ist und, dass sie Hilfe benötigt. Er selbst verschlimmert ihr Problem nur. Er kann ihr nicht helfen, aber er weiß, sich zu helfen. Er muss fliehen aus seiner Welt. Er nimmt am Ende Hilfe an, nachdem er durchgespielt hat, wohin Rückzug, Selbstmitleid, sowie Depression führen. Vielleicht wird dem armen Kerl auch eine Sporttherapie verordnet. Es ist ihm zu wünschen. Mein Glaube an Medikamente hält sich stark in Grenzen. Sie zerstören mehr als sie helfen. Es gibt eine natürliche Ursache, warum uns Dinge aus der Bahn werden, wir sollten auf natürliche Weise auch wieder zu uns zurückfinden. Selbst wenn Bindungen schmerzhaft zusammenbrechen, so ist das der Lauf des Lebens. Selbstreflexion und Übertragung des Problems auf eine fiktive Personen, die wir dann in unserer Vorstellung kennenlernen, mögen zur Selbstheilung führen.
Das Buch ist sehr atmosphärisch geschrieben. Es gibt schon viele Bücher, die sich mit vermeintlich irren und wirren Patienten beschäftigen und wo die Pfleger und Ärzte nicht gut weg kommen. Oft werden die Patienten so dargestellt, dass sie gegen ihren Willen eingesperrt sind und eigentlich nicht hier sein sollten. Wie dem auch sei, der Weg in ein Sanatorium ist leicht, aber heraus? Sind wir nicht alle ein wenig verrückt? Das Buch ist es auf jeden Fall und ich habe es jetzt sicher verschlossen. Keine kommt da mehr raus oder rein. Ihr müsst schon Euer eigenes IRRASSU finden.
Ich habe gleich mal recherchiert, ob es das Sanatorium zu kaufen gibt, aber ich habe es nicht gefunden. Ich bin nur auf die Songtitel "Erasure" gestoßen. Erasure ist englisch und steht für ‚Löschung', ‚Tilgung', ‚Ausradierung'). Genuschelt auf Fränkisch klingt das so ähnlich wie IRRASSU. Tatsächlich geht es im Buch, um das Loswerden um psychotische Erkrankung.
Für die meisten Leser ist es sicherlich mehr als ein Abenteuer, ein Abenteuer ein Sanatorium zu besuchen. Unvorstellbar ist es, sich selbst freiwillig in Behandlung zu begeben. Schnell werden wir als verrückt und wahnsinnig von unserem Bekannten und Verwandten klassifiziert. Als Extremsportler höre ich das noch öfter als der Durchschnitt. Anders zu sein, möglicherweise in seiner Welt zu leben, ist doch nichts Schlechtes, oder? Es macht zumindest diejenigen krank, die es nicht verstehen, nachvollziehen und sich Sorgen machen.
In dem Buch begibt sich jedenfalls ein Mann freiwillig in ein abgeschiedenes Sanatorium zur Behandlung. Wir wissen nicht genau warum, aber vermutlich ist es auch nebensächlich für die Haupthandlung. Eigentlich ist die Haupthandlung auch nebensächlich, aber das werdet ihr schon sehen. Als Leser spüren wir, dass sich der Mann, die Pfleger, die Angestellten merkwürdig verhalten. Aber haben wir etwas anderes erwartet?
Das Buch nimmt nachdem wir das Leben im Sanatorium, die Räumlichkeiten, die Möglichkeiten zur Flucht kennengelernt haben, einen überraschenden Verlauf.
Leser, die ganz unvoreingenommen ins Buch einsteigen wollen, empfehle ich die nachfolgenden Zeilen mit meiner Interpretation später zu lesen. Sie sind notwendig, um zu begründen, warum ich zu einer sehr guten Bewertung gekommen bin.
Die Hauptfigur ein Mann, hat sich offenbar in die eigene Welt, ein Sanatorium zurückgezogen. Er hat Hoffnung, dass er dort nicht lange verweilen muss. Der Mann sieht, dass eine Patientin ein ähnliches Problem hat, wie er selbst. Unerwarteter Verlust einer geliebten Person. Er spürt wie verzweifelt sie ist und, dass sie Hilfe benötigt. Er selbst verschlimmert ihr Problem nur. Er kann ihr nicht helfen, aber er weiß, sich zu helfen. Er muss fliehen aus seiner Welt. Er nimmt am Ende Hilfe an, nachdem er durchgespielt hat, wohin Rückzug, Selbstmitleid, sowie Depression führen. Vielleicht wird dem armen Kerl auch eine Sporttherapie verordnet. Es ist ihm zu wünschen. Mein Glaube an Medikamente hält sich stark in Grenzen. Sie zerstören mehr als sie helfen. Es gibt eine natürliche Ursache, warum uns Dinge aus der Bahn werden, wir sollten auf natürliche Weise auch wieder zu uns zurückfinden. Selbst wenn Bindungen schmerzhaft zusammenbrechen, so ist das der Lauf des Lebens. Selbstreflexion und Übertragung des Problems auf eine fiktive Personen, die wir dann in unserer Vorstellung kennenlernen, mögen zur Selbstheilung führen.
Das Buch ist sehr atmosphärisch geschrieben. Es gibt schon viele Bücher, die sich mit vermeintlich irren und wirren Patienten beschäftigen und wo die Pfleger und Ärzte nicht gut weg kommen. Oft werden die Patienten so dargestellt, dass sie gegen ihren Willen eingesperrt sind und eigentlich nicht hier sein sollten. Wie dem auch sei, der Weg in ein Sanatorium ist leicht, aber heraus? Sind wir nicht alle ein wenig verrückt? Das Buch ist es auf jeden Fall und ich habe es jetzt sicher verschlossen. Keine kommt da mehr raus oder rein. Ihr müsst schon Euer eigenes IRRASSU finden.
Montag, 7. Dezember 2020
Drei Frauen im Schnee von Blanca Imboden
Weihnachten bei Sonja und ihrer Familie ist jedes Jahr eine schreckliche Sache.
Die Schwiegermutter Irene wohnt im oberen Stockwerk und mischt sich ständig ein. Die Weihnachtszeit muss immer gleich ablaufen, so ist das schon immer so.
An den Adventssonntagen wird bei ihr verabracht, auch die 16 jährigen Zwillinge Amelie und Lilly müssen auch dabei sein.
Dieses Jahr sind sie zum 1. Mal abwesend, sie haben den Absprung geschafft, den Sonja dringend nötig hat.
Nicht nur das Irene ständig präsent ist, sie beharrt auf die Weihnachtsdeko. Der Baum wird immer mit ihren hässlichen Figuren und Kugeln geschmückt. Immer gibt es eine fette Gans. Immerhin konnte sich Lilly durchsetzen, es gibt in diesem Jahr Lamm.
Sonja erträgt die Vorweihnachtszeit nur mit viel Geduld.
Der Weihnachtsabend endet in einer Katastrophe und Sonja nutzt das entstandene Chaos und verlässt das Haus.
Eine Entscheidung die ganz spontan kam und sicher Konsequenzen nach sich zieht.
Für den Moment ist Sonja erleichtert, was danach kommt wird sich zeigen.
Mir hat das Buch sofort gefallen. Sonja hat mein vollstes Mitgefühl. Jeder sollte Weihnachten so feiern, wie er mag und sich nicht von anderen dirigieren lassen.
Mir wäre die Hutschnur geplatzt, bei den ständigen Einmischungen von Irene. Der Ehemann Paul ist eine Pfeife, weil er seiner Frau nicht zur Seite steht, wenn Irene ihren Willen durchsetzt. Statt seiner Mutter zu widersprechen, gibt er klein bei, sie ist schließlich schon 70 Jahre alt.
Um die Ehe und die gemeinsame Zukunft zu retten, muss sich Sonja etwas einfallen lassen.
Es ist zwar nur eine recht kurze Geschichte, trotzdem ist es eine spannende Sache, was passiert, nachdem Sonja am Weihnachtsabend das Haus verlässt.
Wenn man dieses Weihnachtsdrama verfolgt, will man es auf jeden Fall besser machen. Ich habe mich köstlich amüsiert, hätte gerne auf den Tisch gehauen und Tacheles geredet mit Irene und Paul.
Die Zwillinge mag ich sehr, die Mädels sind wortgewandt und spritzig.
Die perfekte Geschichte für die Vorweihnachtszeit, sie macht einem bewusst, dass man entspannter sein sollte und nicht alles perfekt sein muss.
Sonntag, 6. Dezember 2020
Nano: Lüneburg
Turbulentes Verwirrspiel mit SF Elementen
Der Einstieg in die Geschichte gestaltete sich dennoch für mich schwierig, denn ich wusste nicht mehr als die Hauptfigur des Buches. Es geht darum, herauszufinden, warum die Nano-Technologie nicht mehr funktioniert, bzw. teilweise funktioniert, aber nur in bestimmten Situationen. Was bedeuten die Träume? Wo führt die Selbstfindung hin? Etwa bis zur Seite 70 tappte ich noch im Dunkeln, dann erschlossen sich allmählich Puzzlestücke zu Bildern. Doch weitere Fragestellungen ergaben sich, die beantwortet werden wollten. Ich spürte, dass das Ausmaß der komplexen Geschichte noch lange nicht zu Ende ist. Es gab viele Überraschungen, sodass ich am Ende des Buches, mit einem "Wow" da stand. Es machte alles einen Sinn und war schlüssig.
Ich hatte das Gefühl, das Buch ein zweites mal lesen zu müssen, nun mit dem Wissen, um das Ende. Vermutlich gelingt es mir dann besser, die vorangegangen Szenen deuten zu können.
So ging es mir auch bei dem Film "Inception". Alles verstanden hatte ich im ersten Durchgang nicht, aber ich spürte, dass alles durchdacht und ausgeklügelt ist. Ich musste mir den Film noch einmal anschauen, um dann mehr auf Details achten zu können.
Das Buch war mit seinen 200 Seiten in einem großen Schriftsatz sehr schnell durchzulesen. Mit den Charakteren war ich nicht richtig warm geworden. Ich nahm sie als Schachfiguren des Autors wahr. Zu Beginn fehlte es mir an Beschreibungen, wo man sich als Leser gerade befindet, was ist es für eine Welt? Wie ist es dazugekommen? Es erschließt sich alles im Laufe der Geschichte, doch es wirkt komprimiert. Die skizzierte Welt hätte mehr Worte verdient. Jedenfalls stelle ich mir vor, dass ein guter Geschichtenerzähler den Einstieg für den Leser erleichtern könnte, durch mehr Raum für Atmosphäre, Aura, und Ankerpunkte. Das Buch hat eine unerwartete Komplexität. Für mich wurde im Verhältnis zur Seitenanzahl zu viel Inhalt hereingepackt.
Der Leser tappt im Dunkel, ist genauso verwirrt wie die Hauptfigur, die ihr Innerstes und ihre Fähigkeiten im Verlauf des Buches mehr und mehr kennenlernt. Sie ist nicht allein und trägt ein Geheimnis in sich. Der Leser hat auch nicht mehr Infos. Es wirkt zu Beginn alles wirr. Die sich stellende Fragen werden beantwortet, doch es gibt weitere überraschende Entwicklungen.
Für mich hat das Buch Potential, mit entsprechenden Anreicherungen groß rauszukommen. In der gegenwärtigen Fassung wird der Autor einige Leser gedanklich abhängen. Mich würde es daher nicht verwundern, wenn es extrem gute und extrem schlechte Bewertungsergebnisse von Lesern bescheinigt bekommt.
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