Sonntag, 13. Dezember 2020

Tafiti und das Geheimnis der Sterne von Julia Boehme

Eines Abends sitzt die Erdmännchen Familie draußen und beobachtet die Sterne. Es gibt den Löwen, den Krebs, eine Schlange und sogar ein großes und ein kleines Erdmännchen. Tafiti ist ganz aufgeregt, die möchte er kennenlernen, die Sternen-Erdmännchen. Er und Pinsel schlafen die nächste Nacht draußen in der Hängematte und warten auf die Sternen-Erdmännchen. Doch die Sterne kommen nicht zu ihnen. Also müssen die 2 Freunde einfach zu ihnen hoch gehen. Aber wie? Sie treffen auf einen Käfer, der die Himmelskörper gut kennt. Mit seiner Hilfe verstehen Tafiti und Pinsel die nächtlichen Bilder am Himmel besser. Es stellt sich aber immer noch die Frage, wie können sie die Sternen-Erdmännchen besuchen. Diesmal dreht sich alles um die Sterne. Ein nächtliches Abenteuer für das kleine Erdmännchen Tafiti und sein bester Freund Pinsel das Pinselohrschwein. Die Zeichnungen sind wieder allerliebst und passen perfekt zu diesem Kinderbuch ab 6 Jahre. Die Freundschaft zu einem Mistkäfer ist sehr schön erzählt und zeigt, es ist egal, ob groß oder klein. Tafiti ist auch mit Elefanten befreundet. Seine offene fröhliche Art steckt alle an. Bis auf King Kofi, der wieder für Angst sorgt. Zum Glück nimmt jede Geschichte um die Erdmännchen ein gutes Ende.

Samstag, 12. Dezember 2020

Weihnachtsleckereien von Ulrike Gürntke

Eigentlich ist es viel zu schade, wenn wir nur an Weihnachten backen. In dem Buch "Weihnachtsleckereien" von Ulrike Gürntke finden sich viele Rezepte für Plätzchen, Kuchen und Nachspeisen. Im Bonusteil des Buches gibt es sogar noch einen Vorschlag für das Weihnachtsfestessen. Es muss nicht immer Fleisch oder Geflügel sein. Leider kommt hier Knoblauch und Zwiebeln zum Einsatz, die ich weglassen würde. Schließlich will die Familie sich ja noch am nächsten Tag riechen können.

Toll fand ich, dass alle Rezepte vegan, glutenfrei und ohne Industriezucker auskommen. Dies wird erreicht, indem hier besondere Mehlsorten zum Einsatz kommen wie Mais, Hirse, Buchweizen, Reis, Soja, Quinoa, Amaranth, Kichererbsen, Kokos und Teff.

Die Fotos zeigen die Ergebnisse, so wie es uns gelingen würde. Also keine unnatürlichen Kunstwerke, sondern Backwaren, die mit Liebe gebacken wurden und denen wir das ansehen.

Selbst Eier sind bei den Rezepten nicht notwendig. Es gibt diverse vegane Ersatzprodukte.

Die Leckereien sind mit den Zutaten nicht so ungesund, wie wir es von anderen Süßwaren kennen. Wir können uns daher das ein oder andere Stückchen mehr erlauben. Und das ist doch super, oder? Für mich ist das Buch daher eine Bereicherung, die nicht gleich auf den Bauch schlägt. Gutes Gelingen wünsche ich.

Freitag, 11. Dezember 2020

Franken Reiseführer von Ralf Nestmeyer

Mancher Interessent fragt sich vermutlich, wieso braucht man in Zeiten des Internets einen Reiseführer. Ich kann doch alles mit der Suchmaschine finden. Das ist wahr, doch es ist dabei gut zu wissen, wonach wir eigentlich suchen. Die Qual der Wahl ist groß. Es gibt viele tolle Ausflugsziele in Franken und bei sehr vielen sind wir auch gewesen. Ich selbst wohne in Mittelfranken und habe schon sehr viel abgegrast. Ich liebe Burgen, Stadtmauern, Ruinen, Altstädte und baue diese gerne in meine Wanderungen ein. Doch zunehmend wird es schwieriger etwas Neues zu entdecken. Genau hier kommt der Reiseführer "Franken" ins Spiel.
 
Das Buch Franken von Ralf Nestmeyer deckt ein sehr großes Gebiet von Franken ab. Eine Faltkarte gibt uns den Überblick über Entfernung und die mögliche Anreise zu unserem gewünschten Zielort. Beim Durchblättern stößt man recht schnell auf Seiten, die zu einem Ausflug zu dem beschriebenen Orten inspiriert. Durch die Angabe der Internetadresse zum Tourismusverband können wir zusätzliche Infos abrufen. Bei allen Städtebeschreibungen finden wir Geschichte, Größe, Sehenswürdigkeiten und praktische Infos. Regionen sind ebenfalls charakterisiert. Wir erfahren, was man anschauen oder unternehmen sollte.
 
Hab gleich zu Beginn nach Erhalt des Buches Fürth nachgelesen. Ich war überrascht, dass das Verhältnis Fürth Nürnberg noch immer ein Thema ist. Da würde mich die jüngste Evidenz interessieren, denn ich beobachte, dass die Städte mehr und mehr zusammen wachsen. Als Metropolregion darf man sich nur bezeichnen, wenn es behördlich und kulturell Zusammenarbeit gibt. Die gibt es offenbar. Es gab jetzt auch jüngst den Metropolmarathon mit Laufstrecke von Fürth nach Nürnberg. Nächstes Jahr anders herum.
Was ich vermisst habe, sind die Highlights in der Nähe von Fürth. Wallensteins Lager, immerhin war es das weltweit größte Heerlager, dazu der neue Rundweg nebst App, und die alte Feste. Alleine die Ausmaße von Wallensteinslager und die Geschichten darum sind beeindruckend, selbst ohne viel davon noch zu sehen.
Das Buch ist kein Wanderführer und stellt auch keine Rundtouren für einen Stadtrundgang zusammen.
Feste und Veranstaltungen sind aufgeführt, allerdings keine Laufveranstaltungen.
Dafür enthält es Kapitel, die wir vielleicht überraschend finden: Fränkische Mentalität und fränkische Literaturgeschichte. Der Autor schreibt auch andere Bücher, wie Krimis und Sachbücher.
Mit dem Inhaltsverzeichnis, dem praktischen Register und der Einteilung in Regionen finden wir recht schnell für uns relevante Seiten.
Gefallen hat mir, dass dieser Reiseführer klimaneutral gedruckt wurde. Schade nur, dass davon die Wälder in Nicaragua profitieren. In Franken sind die Wälder sehr wohl durch intensive Forstwirtschaft bedroht.
Was unternehme ich mit einem japanischen Besucher, der nur einen Tag Zeit hat.
Am Vorabend der Anreise habe ich ihm Feucht gezeigt. Feucht ist nicht im Führer, ist jedoch ist es nicht ganz unbedeutend. Hier wurden die Grundlagen der Raketentechnik, sowie der Imkerei gelegt. Sowie Nürnberg mit Honig versorgt für seine Lebkuchen.
Am nächsten Tag ging es durch die Schwarzach-Klamm und dann am König-Ludwig Kanal zurück.
Schöne Runde, habe ich nicht, habe ich jedoch nicht Führer gefunden. Okay ist kein Wanderführer, doch mit 100 Schleusen, Aquädukten, Schleusenwärterhäusen, insgesamt kein zu verachtendes menschliches Bauwerk. Aber der Main-Donau-Kanal mit der höchsten Schleuse Deutschlands wird ja auch niedergemacht.
Angeblich ein finanzielles bzw. Umwelt-Desaster, aber das kann ich nicht bestätigen. Es dient zum Wasserausgleich und ist Wirtschaftsfaktor. Wäre der Kanal nicht da, wäre dort Gebäude und Straßen. Der Kanal und die 24 Häfen verströmen maritimes Flair. Läufer, Radfahrer finden hier kilometerlange schnelle Wege.
Danach ging es nach Nürnberg und haben am Schönen Brunnen am richtigen Ring gedreht, die Bedeutung der Türme der Burg, die Brücken erklärt. Die Informationen zu Nürnberg finde ich etwas oberflächlich, liest sich wie Wikipedia. Etwas mehr Storytelling, um die Geschichte interessanter zu gestalten würde ich mir grundsätzlich in Reiseführern wünschen. Das kostet auch nicht viel Platz im Führer, ein Satz reicht.
Am Ende des Tages haben wir erstaunt festgestellt, dass wir 19 Kilometer zurück gelegt haben.
Um den Führer unterwegs mitzunehmen ist er mit 516 Seiten doch etwas schwer. Für die Vor- und Nachbereitung von Ausflügen ist er gemacht.
Falls Ihr Euch nach Franken verirrt, dann hoffe ich sehr, dass ihr die Gastronomie genießen könnt. Hier macht Essen und Trinken Spaß, auch wenn der Wirt vielleicht einmal etwas grummelig daherkommt.
Ansonsten viel Spaß bei der Planung und vergesst die Natur nicht. Sie ist oft noch viel eindrucksvoller als Städte.

Hannahs Gefühl für Glück von Fran Kimmel

Der Winter ist in diesem Jahr besonders hart, eine klirrende Kälte überzieht den Norden Kanadas. Familie Nyland wohnt noch nicht sehr lange dem kleinen Ort Neesley. So ganz eingelebt haben sie sich noch nicht. Der Großvater Walter macht immer mal Probleme mit seiner Demenz. Der jüngere Sohn Sammy hat Zwänge, die schwer kontrollierbar sind, er muss nach strengen Regeln behandelt werden, sonst kann es zu Wutausbrüchen kommen. Danny ist der aufgeweckte ältere Bruder, der unter der Bevorzugung von Sammy leidet und sich immer mehr abkapselt. Die Mutter Elli hat psychische Probleme und kann sich nicht richtig einleben, obwohl es ihr Wunsch war, in das Haus zu ziehen. Der Vater Eric, ein ehemaliger Polizist lebt irgendwie dazwischen mit, es hat sich einiges verändert in den letzten Monaten. Die Ehe scheint Probleme zu haben, Elli und Eric reden kaum miteinander. Als Eric an einem besonders eisigen Tag unterwegs ist, findet er ein Mädchen am Straßenrand entlang gehen. Er hält an und nimmt das junge Ding mit, es stellt sich raus, sie wohnt ihm gegenüber. Hannah ist keinem aufgefallen, Eric wusste nicht, dass sie dort wohnt, im Haus von Nigel Wilson, einem Säufer und üblem Kerl. Durch schlimme Umstände landet Hannah kurz vor Weihnachten im Haus der Nylands. Sie soll dort ein paar Tage wohnen, bis eine Pflegefamilie gefunden ist. Was keiner der Nylands ahnt, Hannah stellt alles auf den Kopf, den mit ihrer Herzensgüte und ihrer liebevollen Art zieht sie alle in ihr Herz. Selbst der schwierige Sammy beginnt das Mädchen zu akzeptieren und kommt aus seinem Schneckenhaus hervor. Jeder im Haus mag Hannah und möchte sie nicht mehr gehen lassen. Allerdings kann sie nicht bleiben, eine Pflegefamilie wäre das Beste. Bis es zu einem hochdramatischen Ereignis kommt, das alles ändern könnte. Dieses Buch ist ein bezauberndes Wintermärchen, Hannah ist ein wundervolles Mädchen, das ich sofort ins Herz geschlossen habe. Auch die anderen Charaktere der Familie Nyland sind sehr sympathisch. Jeder ist auf seine Weise interessant und hat viel zu erzählen. Hannah ist so zerbrechlich, sie möchte man in den Armen und beschützen. Der eiskalte Winter geht einem durch Mark und Bein, ich war froh im Warmen zu sitzen. Ich hatte wegen dem vielen Schnee und den eisigen Temperaturen das Gefühl, das Buch spielt in einem anderen Jahrhundert. Es kam wir unwirklich vor, die kalten Räume im Haus, vereiste Scheiben. Dem ist jedoch nicht so, es spielt in der Gegenwart und damit konnte ich mich bald besser arrangieren. Meine kurzzeitige Verwirrtheit lag dem Schnee zu Grunde, die Kälte ist mir in die Glieder gekrochen. Ich musste meine Vorstellungskraft antreiben, damit mir dieser Winter glaubhaft wird. Zum Glück strahlt die Geschichte eine Wärme aus, die ins Herz geht. Das Cover passt hervorragend zum Buch, es spiegelt die Verzweiflung des jungen Mädchens wieder. Hannah hat schlimme Dinge mitgemacht und findet im Haus der Nylands ihre Freude wieder. Es ist ein wahres Vergnügen, zuzuschauen, wie sie die Herzen im Sturm erobert. Es ist schade, dass das Buch ein Ende hat, ich hätte gerne noch mehr über Hannah und Familie Nyland erfahren. Insgesamt ist die Geschichte sehr empfehlenswert, besonders in der Weihnachtszeit.

Das Zugticket

Ein klassischer Krimi ist die Geschichte von der Hauptfigur Anna in dem Buch "Das Zugticket" von Monica Heinz nicht. Es ist eigentlich eher die Geschichte zum Aufbruch in einen neuen zweiten Lebensabschnitt. Cosy-Crime nennt man das heutzutage, wenn der Kriminalfall eher beiläufig eine Rolle spielt.

Anna's Ehemann behandelt seine Frau, wie eine Hausangestellte. Eigentlich noch schlimmer, denn alle Entscheidungen fällt er selbst in guten wie in schlechten Zeiten. Es gibt keinen Dank, kein Lob und schon gar nicht Unterstützung und Verständnis. Er ist ein damischer Saupreiß!

Anna eröffnet sich allerdings die Chance auf eine Zugreise - alleine ohne ihren Mann. Nach einigen Überlegungen tritt sie diese auch an. Das ist ein großer Schritt für sie. Doch es ist Urlaub für ihre Seele. Sie bekommt von den Mitreisenden jede Menge Impulse.

Wir lernen mehr und mehr über Schottland und die Fahrgäste und deren Hintergründe kennen, ob wir wollen oder nicht. Manche Geschichten, die wir erfahren, handeln vom Schmuck, manche Szene sind hingegen mit vielen Details von Autorin ausgeschmückt.

Bewundernswert fand ich Anna, wie sie mit älteren Menschen umging. Sie hat die richtige Einstellung: nicht aufregen, sondern amüsieren über die kleinen Macken. Wir werden alle nicht jünger außer vielleicht Männer in der Midlife-Crisis.

Folgendes habe in dem Buch lehrreich nachempfunden:

  • Dinge, die wir noch nie gemacht haben, müssen nicht schlecht sein.
  • Manchmal sollten wir einfach etwas wagen.
  • Der Instinkt ist ein guter Leithammel, wenn man weder weiß, warum man etwas tut, noch einen Plan für die Zukunft hat.
  • Es ist so bereichernd eine Reise zu tun.
  • Anderen helfen, hilft auch einem selbst.
  • Jeder Mensch hat Schwächen, doch ist dies nur insofern tolerabel, wenn wir darüber lachen können.
  • Es gibt Menschen, die auch von ungiftigen Eibenbeeren vergiftet sind.
  • Genug ist genug.
  • Kaufe Deiner Frau nie eine rote Handtasche.

Warum bin ich "nur" zu vier Sternen als Gesamteindruck gekommen. Als glücklich verheirateter Mann, der gerne zu Hause auch mit anpackt, hat mich die Geschichte weniger gepackt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es sehr viele Frauen gibt, die sich mit Anna gut identifizieren können und mit dem Buch den Mut finden, am 22. April eine Entscheidung selbst und in freien Stücken zu fällen. Möglicherweise sieht auch meine Frau das Buch mit anderen Augen. Was ich jedenfalls sagen kann, es ist eine runde Geschichte, die man zuklappt und sagt schön war's. Aber in einem Jahr braucht ihr mich nicht zu fragen, worum es sich in dem Buch dreht, was bei meinen 5 Sterne Büchern anders ist. Am besten ist ihr bildet Euch Eure eigene Meinung und gebt dem Buch ein Chance.

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Immer wieder vegan - Katharina Seiser

Das Letzte was ein Koch braucht, ist ein Kochbuch, oder etwa doch? Wir fragen uns beinahe täglich, was wir morgen morgen bloß kochen. Es soll nicht so schwer sein, möglichst nachhaltig und Bio, ja preiswert wäre auch nicht schnell. Wenn es dann noch schnell zubereitet ist, dann haben wir schon gewonnen.

So kommt es, dass ich in dem Kochbuch "Immer wieder vegan" von Katharina Seiser blätterte und wie ein Jäger nach dem Gericht suche. Das Buch macht dies einfach, denn es gibt ein Inhaltsverzeichnis, Register und die Rezepte sind je nach Saison in eine Reihenfolge gebracht.

Der Leser findet einen Überblick über die verschiedenen Zutaten mit Einkaufs-, Verwendungs-, Werkzeug- und Lagerungsempfehlung.

Zu den Rezepten gibt es großes Bild mit der Speise, um gleich eine Vorstellung über die Anordnung und Dekorierung zu vermitteln. Das klingt jetzt hochtrabender als ich meine. Mit einfachen Drüberstreuen von Samen, Nüssen, Keimen, Kräutern kann schon optisch viel erreicht werden.

Bei einigen Gerichten wurde für meinen zarten Gaumen zu viel Knoblauch und Zwiebeln angegeben. Ich muss allerdings sagen, dass ich insbesondere Knoblauch nicht für hohe Kochkunst halte. Es ist ein Geschmacksverstärker, den wir durch andere Würzung ebenso erzielen können ohne den fahlen Mundgeschmack anschließend zu haben.

Die Rezepte haben Angaben zur Zubereitungszeit, Anzahl der Personen, Zutaten, Varianten und Ausführungsreihenfolgen.

Im Buch befinden sich delikate Speisen, süße Nachspeisen, Kuchen sowie Teigwaren. Essen können wir soviel wir wollen. Die meisten Zutaten sind eher gesund.

Die Autorin Katharina Seiser bedient sich aus den Küchen aller Nationen. So finden wir Rezepte aus Japan, Deutschland, Finnland, etc. und kommen so in den Genuss von neuen Geschmackserlebnissen.

Das Hardcover ist sehr robust und schwer und daher für den Kücheneinsatz geeignet.

Bei mir bekommt das Buch einen festen Platz in der Küche, denn einmal vegan, immer wieder vegan!

Die Zukunft unserer Vergangenheit Peter Hertel & Tim Gernitz

Rätsel der Menschheitsgeschichte

Wer das Buch "Die Zukunft unserer Vergangenheit" flüchtig durchblättert, kommt wahrscheinlich zu dem Schluss, dass es sich um ein trockenes mit Zahlen und Fakten hantierendes Werk eines Wissenschaftlers handelt. Das ist mitnichten der Fall, denn das Gespann Peter Hertel und Tim Gernitz verstehen blendend, wie unsere Vergangenheit dem allgemeinen Leser zugänglich vermittelt werden kann.

Alles dient dazu, um im letzten Kapitel die Zukunft zu deuten. Das ist spannend nicht wahr? Früher mussten die Menschen Opfer bei einem Orakel erbringen. Heute reicht es, das Buch zu kaufen.

Unten rechts am Cover heißt es "Die Entwicklung der Menschheit ist nicht aufzuhalten". Richtig, das Leben ist Veränderung. Das mussten auch alte Kulturen lernen.

Die nachfolgenden Generationen tun sich schwer, die Errungenschaften und Weisheiten der Vorväter zu erhalten. Warum sollten sie das tun? Sie haben schließlich eigene Probleme und Herausforderungen zu bewältigen.

Das Buch hat mich insofern überrascht, weil auf die Besonderheiten eines Ortes, einer Bauweise, dem Ausmaß eines Reiches, der ausgeklügelten Versorgung, dem Wissen etc. eingegangen wurde, die uns selbst nach heutigem Maßstab in Erstaunen versetzt.

Wir finden ausgewählte Beispiele meist Bauwerke oder was davon davon übrig geblieben ist. Der Autor kommentiert alles sehr leidenschaftlichen und lebendig, sodass die begeisternden Funken für Archäologie auf den Leser überspringen. Das Buch ist locker geschrieben, so werden wir mehrfach als "meine Freunde" angeredet. Wenn ich Freunde hätte, dann wüsste ich das, aber egal. Vermutlich ist der Autor ein wenig Facebook geschädigt. Viel wichtiger ist der Humor in den Aussagen. Zu Anfang eines Kapitels finden wir eine interessante Fragestellung und zum Ende einen Satz über den wir grübeln können.

Begeistert hat mich, dass sich in dem Buch Links und QR Codes befinden mit denen wir zum Buchinhalt passenden Film-Dokumentationen auf Youtube springen können. Damit wird das Buch neben den wahrhaft vielen Bildern richtig anschaulich und informativ. Zu den Bildern muss ich erwähnen, dass sie durchaus so groß gehalten wurden, so dass wir Details erkennen.

Der Autor führt uns an ungewöhnliche Orte der Menschheitsgeschichte, wo wir urlaubsmäßig bestimmt noch nicht überall gewesen sind. Vielleicht sogar zum Glück, denn durch Tourismus wird viel zerstört. Andererseits führt Tourismus zu Interesse und Einnahmen, die den Ausgrabungen zu Gute kommen.

Wir können uns auch selbst Gedanken zu den vorgestellten Artefakten und Theorien machen, die uns der Autor präsentiert. Nicht alles kann die Wissenschaft erklären. Es ist also noch Raum für Eure Fantasie.

Für mich stellt die Abfolge der Kapitel eine Zeitreise im Schnelldurchlauf der Jahrtausende dar. Es fängt an bei 3,7 Milliarden Jahre v. Chr. und endet 2020. Aus Sicht des Universums ist es ein verschwindend kleiner Schritt für die Menschheit. Der Weg ist noch nicht zu Ende aber meine Meinung zum Buch steht fest: strahlende fünf Sterne zumindest so lange bis die Andromedagalaxie mit unserer Milchstraße zusammenstößt.