Dienstag, 12. Oktober 2021

Filterkaffee ist gesund

3-5 Tassen am Tag sei immer noch gesund. Das gelte nicht für andere Zubereitungen.
https://www.chip.de/news/Kaffee-Tipp-So-zubereitet-ist-er-am-gesuendesten_183686663.html

Sonntag, 10. Oktober 2021

Agiles Projektmanagement: Theorie & Praxis von Dr. Tomas Gustavsson

Agil ist in aller Munde, doch verstehen wir überhaupt warum und worauf die Projektorganisationsmethode basiert?

Im ersten Kapitel wird agiles Projektmanagement mit klassischem Wasserfall-Modell Projekten verglichen. Was für mich hierbei noch nicht durch den Text herüber kommt, ist, dass beim Agilen in den Sprints die Phasen nicht nacheinander, sondern parallel abgearbeitet werden. Das vermeidet Abhängigkeiten und verhindert Leerlaufen und Wartezeiten von Projektmitgliedern, die die Arbeitsergebnissen von anderen brauchen.

Ein vollständig agiles Projekt ist nicht, wie der Autor mit der Buchstruktur suggeriert, dass die Wasserfall Projektphasen mit agilen Konzepten, Rollen und Sprinttaktung angereichert werden.

Timeboxing=Sprints? Nein, das ist zu kurz gesprungen. Timeboxes sind zeitliche Begrenzungen für Sprints, Aktivitäten, Redezeit, Meetings, unvorhersehbare Zusatzaufgaben/Komplikationen, u.v.m.

Bei dem Beispiel "Modifizierte Rahmenbedingungen" fehlt mir das Fazit. Es nimmt immerhin eine ganze Seite ein.

Der Begriff Leistung wird nicht definiert.

Kapitel 2 thematisiert die zeitliche Entwicklungshistorie von agilen Vorgehensmethoden.

Kapitel 3 stellt agile Rollen und Gruppen vor.

Bei der Aussage "Reduzierung von Experten und damit deren Genehmigungsfunktion" gehe ich nicht mit. In der Projektpraxis bewähren sich zwar überwiegend demokratische Entscheidungen. Doch gerade für den Fall, dass es zu einer nicht aufzulösen dann Situation kommt, z.B. wo das Team sich nicht einig wird, ist eine Guildlead-Position wichtig, die notfalls eine Entscheidung fällen kann. Später im Buch bringt der Autor selbst das Bei Spiel, dass nur 99 Prozent durch das Team (mit Hilfe Scrummaster zu lösen sei). Ich würde mich da nicht auf eine Zahl festlegen wollen, da dies oft an Menschen, deren Fāhigkeiten, technischen, wie politischen, kulturellen Hintergründe hängt.

Die Testerrolle ist meines Erachtens nicht allein für die Anforderungsklärung verantwortlich, sondern der Teamleader, die ihre Guilde (z.B. Definition, Architektur, Konstruktion, Verfikation&Validierung, Kundenauslieferung) vertreten können.

Unter den Rollen ist der Projektmanager als Rolle nicht genannt. Komischerweise soll sie jedoch im Lenkungsausschuss berichten.

Im Kapitel 4 geht es um die Vision. Hier vermisse ich eine Referenz zum SAFe PI Planning.

SAFe kommt im Kapitel 5 sehr rudimentär beschriebenen vor. Das ist insofern enttäuschend, da im Vorwort des Autors "mehr" angekündigt wird. Aus mehr wurde nach agilem Prinzip offenbar weniger.

Was ich insgesamt sehr gut finde, dass der Autor nicht den Leser mit der Komplexität einer Methodik erschlägt, sondern in Wort und Schaubild es vereinfacht darstellt. Er holt damit klassische Projektmanager mit deren Vorkenntnis ab und baut Brücken zu entsprechenden Prinzipien und Vorgehensweisen der agilen Methodik.

In dem Buch mit 254 Seiten sind viele Themen angerissen.

Klarer hätte ich mir ausgedrückt gewünscht, wenn die agile Methodik eine Projektmanagement sei, es nicht zwingend einen Projektmanager braucht. Unabhängig davon ist für mich dies eher eine Projektorganisation, manchmal auch spürbar als Projektreligion. Der Begriff Management wird peinlichst vermieden. Teammanagement gibt es ja zu 99 Prozent ;-) nicht, sondern selbstbestimmte Teamorganisation.

Was gut im Buch ist, dass es Referenzen zu speziellen aktuell diskutierten "Umsetzungsmodellen" gibt. Deren Besonderheit wird in dieser Ausgabe nicht weiter ausgeführt, da es vermutlich die Zielgruppe "Einsteiger" gedanklich schnell abhängen würde. Doch zumindest einen Satz hätte ich mir gewünscht. Es wäre zu schade, wenn der Leser diese Schlagworte liest und nichts verbinden kann.

Gegen Ende des Buchs finden sich Vorschläge für Checklisten und weiteres Erläuterungsmaterial als Beispielumsetzung.

Metriken, Tickettemplates, Akzeptanzkriterien, unterstützende Implementierung und Automatisierung in Tools werden nicht im Buch detailliert. Insbesondere Projektstatusberichte wären ein Must-Have in diesem Buch gewesen.

In den Leseempfehlungen, die das Buch abrunden, vermisse ich das Spotify Modell, welches zuvor erwähnt wurde.

Wenn ich mich in einen klassischen Projektmanager versetze, der wird gut mit Buchaufbau zurechtkommen. Er wird schlussfolgern, agiles Projektmanagement ist auch nur ein Wasserfall-Projekt, wo agile Techniken und Rollen in aufeinanderfolgenden Phasen organisiert sind. Unter der Annahme, dass der Autor dies nur vereinfacht aus didaktischen Gründen so umgesetzt hat, vergebe ich knappe vier Sterne für den Buchinhalt.

Samstag, 9. Oktober 2021

Kriminelle Intelligenz von Elke Schwab

Zukunft trifft auf Vergangenheit

Der Prolog erzählt das Gefühl eines Attentäters vor seinem Attentat. Scheinbar war es nicht das erste Mal. Oha, was wird wohl jetzt passieren?

Dieser Krimi spielt im Saarland und thematisiert den Aufbau der Firma DynamoCars. Diese will selbstfahrende Autos produzieren und vertreiben. Diese Fahrzeugklasse muss ausgiebigen Audits, Assessments und Testfahren bestehen bevor dies wirklich zugelassen werden kann.

Es passieren Morde, wie soll es auch anders sein, und die Polizeibeamten ermitteln. Doch kommt ihnen die ganze Sache mehr und mehr komisch vor. Der Täter ist entweder irre, dreist oder verzweifelt. Oder sind es mehrere? Der Leser ist gegenüber den Beamten in Vorteil, denn die Gedankengänge des Täters werden ab und zu eingeblendet. Dieser hält offenbar seinen Plan für perfekt. Anfangs denke ich, dass ich ihm gerne einmal erklären würde dass Pläne, die nicht ständig an die Entwicklungen angepasst werden, scheitern. Das müsste ein offenbar begnadeter Programmierer doch wissen. Die sind doch heutzutage alle "agil" unterwegs und erklären "Änderungen" als heiligen Akt.

Unabhängig davon freut sich Täter diebisch. Ach, wie gut, dass niemand weiß, wer hinter all dem steckt. Die Presse freut die eigenen reißerischen Schlagzeilen. Und die Polizei muss erst einmal die Messerstiche verdauen.

Wobei ich auch vermutet habe, dass der Täter gar nicht menschlich ist, sondern eine künstliche Intelligenz. So würde auch der Titel und das Coverbild gut zusammenpassen. Vielleicht bin ich jedoch von zuviel Science Fiction Lektüre bereits über den Straßenrand herausgeschossen.

Das Buch habe ich in schneller Durchfahrt gelesen. Es behandelt zwar automome Fahrzeuge, also ein modernes Thema und nennt ein paar technische Besonderheiten, aber allzu detailliert wird es nicht. Es soll ja nicht nur Autoliebhaber und Branchenangehörige erfreuen.

Was gut im Buch rüber kommt, ist die Begeisterung für den neuen Komfort, die die Technik der selbstfahrenden Autos bietet. Daher wird ja derzeit sehr viel von seitens der Hersteller in den Aufbau von Cybersecurity und Informationsecurity investiert. Gesetzgeber rüsten ebenfalls ihre Regulierungen nach, sodass solche Produkte sicher sind, wie der Tod. Andererseits spüren die Testfahrer auch, dass sie der Technik vertrauen müssen, damit sich ihre Fingernägel nicht dauerhaft in die Kunststoffarmatur einarbeiten. Der Teufel steckt manchmal in unvorhersehbaren Details. Ein Flüchtigkeitsfehler bei der Programmierung oder eine ungetestete Konstellation kann fatale Folgen haben. Es ist halt ein Unterschied, ob unser Smartphone einen Hänger hat oder ein Auto in dem wir sitzen.

Trotz aller Zukunftstechnik, lohnt es sich bei der Ermittlung in die Vergangenheit zurück zu schalten.

Von der Autorin Elke Schwab werden die Personen ganz liebevoll beschrieben. Deren Dialoge sind locker und authentisch, nicht immer beruflich, zielführend und so vergeht Seite um Seite, ohne wirklichen Ermittlungserfolg. Nein, es ist kein lustiger Krimi und ich habe ihn auch nicht wirklich brutal oder thrillermäßig empfunden. Cosy war er allerdings auch nicht. Ich musste Geduld haben, denn Rumpelstilzchen blieb lange versteckt. Erst auf den letzten Seiten werden die Hintergründe zur Tat und Täter vollständig offenbart. Ich hätte mir etwas mehr kriminelle Intelligenz erhofft, bzw. Raffinesse bei der Krimihandlung. Das Buch ist nett zu lesen, sauber geschrieben, durch das Fahrzeug-Thema hochaktuell, aber zugleich auch klassisch aufgebaut, wie die meisten Krimis. Ja, so läuft es halt. Was will der Leser anderes erwarten?
Bei mir hat jedenfalls der Airbag nicht gezündet und ich habe nur vier Sterne gesehen.

Erlangen - Möhrendorf

Wieder im Lesecafé in Erlangen mit veganem Burger.












Freitag, 8. Oktober 2021

Stell dir vor ... mit Mut und Fantasie die Welt verändern von Rob Hopkins

Was wäre, wenn die Menschen nicht nur reden, sondern handeln würden.
Der Klimawandel schreitet fort und es ist schon lange fünf vor zwölf.
Der Autor Rob Hopkins engagiert sich sehr für die Umwelt und beschäftigt sich mit vielerlei Themen, die Verbesserungen erfordern und zum Handeln zwingen.
Seine Sichtweise hat bereits viele Menschen erreicht. Er gibt nicht auf, die Fragen werden nicht weniger, die Welt hat eine bessere Umwelt verdient.

Das Buch ist in neun Kapitel aufgeteilt, u.a. geht es um die Fantasie und die Vorstellungskraft.
In vielen Beispielen konnte ich nachlesen, was für großartige Projekte bereits seit vielen Jahren bestehen. Zum Beispiel Initiativen, wo Straßen für eine Weile gesperrt werden, damit Kinder dort ungefährlich spielen können.
Früher war es völlig normal, auf der Straße zu spielen. Doch durch den zunehmenden Verkehr, die Bebauung grüner Flächen, ist sehr viel Freiraum verloren gegangen.

Im Buch stecken geniale Ideen, die einfach umgesetzt werden müssen, die Natur schreit nach Veränderung. Wenn die Bäume um Hilfe rufen könnten, würden sie es lautstark machen. Zu viele Ökosysteme auf der Welt zerbrechen, es müssen Lösungen her. Es gibt viele gute Ansätze und umsetzbare Vorschläge.
Das Buch liest sich sehr gut, es tauchen zwar viele Fragen im meinem Kopf auf, doch die Erläuterungen sind klar strukturiert.

Gedankenexperimente zeigen Erstaunliches auf. Mit dem Geist kann vieles erreicht werden, der Körper muss es aber auch umsetzen.
Das Buch ist ein wichtiges Instrument in der heutigen Zeit. Ich hoffe,
Rob Hopkins wird nicht müde, sich zu engagieren. Er zeigt, wie einfach es sein kann, die Welt zu verändern und zu verbessern. 

 


 

Hefekuchen mit Rosinen

 


Donnerstag, 7. Oktober 2021

Das Kalanos-Projekt von Frank W. Haubold

"Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los"

Johann Wolfgang von Goethe


Das ewige Leben, unendliche Möglichkeiten und Weiten, dorthin, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist - Segen oder Fluch?

In dem Buch geht es um den kompletten Neuanfang von Fabian Helldorf im sogenannten "Free Island Project". Mit der Einreise auf diese Insel verliert ein Bürger sämtliche soziale Hilfs-, Rechts- und Versorgungsansprüche. Was Fabian jedoch noch wichtiger ist, er verliert mit dem radikalen Schritt trotz aller Ungewissheit seine Angst. Seine Angst hat ihn gefangen gehalten. Ohne Isolation von anderen ist in der bisherigen Welt kein Leben in Sicherheit möglich. Doch auch das verheissende Land, wo alles anderes sein soll, gilt bei hiesigen Behörden als gefährliches Ausland. Doch schlimmer wird's nimmer, glaubt er. Kalanos heißt die Insel, die nun ein europäischer autarker Kleinstaat ist.

Im Vorfeld seines Aufbruchs machten sich bei Fabian weitere Bedenken breit. Lässt die Union seine Ausreise zu?

Aber da gibt es noch einen weiteren Erzählstrang: Lena und ihr verschwundener Georgius. Ja, die Jugend heutzutage. An dieser Stelle, weiß man wie das in Verbindung mit dem vorherigen Erzählstrang steht. Manche Probleme von Männern erledigen sich selbst. Jeder hat hier scheinbar Angst, vorm eigenen Leben, vorm Staat oder vor anderen Staaten. Außergewöhnliche Angst, scheint zu außergewöhnlichen Maßnahmen zu treiben. und ja, die können auch positiv anmuten. Doch das eine bedingt oft das andere. Den natürlichen Lauf der Natur zu stören, geht in der Regel nach hinten los. Zum Glück ist nichts real, oder etwa doch?

Nach dem Kapitel Aufklärung Stelle ich mir folgende Fragen:

Wieviel Körper braucht ein Mensch? Wäre ein Leben in einer Simulation erstrebenswert? Ist das Altern der Menschen und das ständige Erneuern nicht ein Erfolgskonzept für das geistige Überleben einer Spezies? Ist jeder menschlicher Geist es wert, ewig erhalten zu bleiben? Verändert sich der Mensch unter den anderen Rahmenbedingungen hinzu: alles egal, ich leb ewig? Sind virtualisierte Menschen gegenüber künstlich erzeugten Existenzen im Nachteil, da diese keine Vergangenheit bewältigen müssen und ihnen der Vergleich zu einer anderen Lebensweise fehlt?

Was ich bewundere an dem Buch ist, dass jedes Kapitel eine neue Überraschung bereithält. Wir können die zeitliche Entwicklung des Projekts bzw. Experiments verfolgen.

Was geschieht mit krankhaften oder fehlgeleiteten Bewusstsein? Oder Saboteuren? Schwer werden diese für die Wissenschaft zu erkennen sein.

So schmerzhaft der Tod ist, so sichert dieser die Fortentwicklung und Widerstandsfähigkeit der Menschheit - geistig und gesellschaftlich. Schildkröten und Bäume sind langlebiger. Aber es schützt nicht vor Verdrängung. Die Anpassungsfähigkeit sinkt mit steigender Lebenserwartung.

Wichtig für eine Gesellschaft ist eine gute Mischung verschiedene Generationen die miteinander sich befruchten können. Die Gegensätzlichkeit, die nicht zuletzt durch das Alter bedingt wird, bringt eine Gesellschaft vorwärts. Zu engstirnig gedacht? Altern altern bedeutet nicht nur Gebrechen, sondern auch Erfahrung Vergangenheit, Weitergabe von bewährten Wissen und Praktiken. Doch der springende Punkt ist, dass sich Vorlieben, Sichtweisen, Ansichten, Vorlieben und Gewohnheiten mit dem Alter ändern. Mir mutet Kalanos wie ein sozialistisches System oder Ameisenstaat an, nur mit libertären Prinzipien und korrigierenden Eingriffen im Bewusstsein.

Gemeint war das Projekt als Arche, ein Leben ohne Körper in einer Art Matrix - sicher und frei.

Doch puristisch demokratisch geht es dann doch nicht zu, denn Demokratie ohne Hierachie funktioniere nicht. Wenn jeder an sich selbst denkt, ist sicherlich nicht allen geholfen und an alle gedacht.

Etwas oder jemand muss die Geister zusammenhalten.

Überraschende Erkenntnis: Trotz Freiheiten und ewigem Leben kann man den Lebensmut verlieren. Immer weiter so, ist daher schlecht. Das Geisterschiff entwickelt sich immer fort und ähnelt von Außen betrachtet einem lebenden Organismus.

Der Autor zeichnet hier ein alternatives Leben für die Menschheit. Der Leser beurteilt, ob dies überhaubt ein Leben ist. Sein oder nicht sein?

Was ich mit Sicherheit weiß, es ist eine lebendig und geistreich erzählte Geschichte.