Donnerstag, 24. Juni 2021

2044: Auf Leben und Tod von Fred Schumacher

Bei dem Buchtitel "2044 Auf Leben und Tod" wurde ich zunächst stutzig. Was sagt mir diese Zahl 2044? Klar, auf den ersten Blick ist es das Jahr in dem der Roman beginnt. Auf den zweiten Blick steht die Zahl semantisch für Willenskraft und Individualität. Mir scheint dies eine verdeckte Botschaft von Fred Schuhmacher, dem Autor, zu sein.

Meine erste Entdeckung im dem Buch ist die Halbinsel PARA. Dort zu wohnen scheint ein besonderes Privileg zu sein. Die Bewohner selbst entscheiden darüber und nicht selten heißt es: "Du kommst hier net rein, Du Wicht".

Die Überwachung zum Schutz von PARA ist sehr präzise und umfassend. Sie macht vor privaten Räumen nicht halt. Gerade Beziehungen zwischen PARAs und Nicht-PARAs, hier "Wichte" genannt, sind besonders suspekt und daher überwachungswert. Ein verliebtes Pärchen in dieser Konstellation stört das und sie versuchen, der permanenten Überwachung zu entfliehen. Auf geht's nach Berlin. Wird dies gelingen? Datenschutz war ja in Deutschland immer groß geschrieben, denke ich mir, aber Berlin war auch die Stadt mit den meisten Agenten und Geheimtunneln.

Oh, eine Nachricht vom Minihandy: Meine Bekannte fummelt gerade an jemanden herum. Es gibt sogar eine Sprachaufzeichnung. Ich blättere schnell zur nächsten Seite im Buch. Weitere beunruhigende Nachrichten lese ich. Dieses Antipodien rüstet mit nuklearen Waffen auf, eine klare Bedrohung für die PARA-Welt. In dem Buch ist aber auch alles drin: Krebs, Umwelt, Politik, Konzerne, Militär, Waffen, Technik, Menschen, Immunsystem und natürliches das Zusammenspiel bzw. Börsenspiel. Wie dem auch sei, der Autor lockert dieses durch die Wahl der Namen und Ausdrücke mit ein wenig Humor auf: "Ach du liebe Börse". Zudem klingt mir Antipodioten verdächtig nach Idioten. PARA suggeriert para-militärisch, und dann noch die Bezeichnung für alle, die nicht auf der PARA-Halbinsel leben: "Wichte". Namen wie Schwarzschild-Rockenfelder sind hingegen klangvolle Namen, die altehrwürdig und nach viel Kapital klingen. "Tropf" steht für Logistikzentrum. Ich mag grundsätzlich Humor, doch es hindert mich ein wenig als Leser, durch diese subtilen Assoziationen in der Fiktion voll und ganz in der Geschichte gedanklich einzutauchen. Für mich kommt das Werk eher wie eine theoretische Extrapolation aus der Gegenwart vor. Der Autor bestätigt dies im Nachwort, dass es sich um ein mögliches Szenario handele.

Aktualität gewinnt der Roman dadurch, dass die Menschheit weiter an der Intaktheit ihres Immunsystems einbüßt. Es werden monatliche Impfungen verordnet. Schwer bis unheilbare Krankheiten entstehen. Um Nadelstiche zu vermeiden, hat jeder Mensch ein Dock-Implantat im Körper für den Impfstoff. Die Pharmaindustrie macht gute Geschäfte mit schwachen Immunsystemen. Kommt Euch das bekannt vor? Manchmal schreibt das Leben die besten Geschichten.

Ich finde es interessant, wie der Autor mit jedem Kapitel einen weiteren Informationsbaustein zum besseren Verständnis des Szenarios liefert und sie mit den Wahrnehmungen der zwei Protagonisten verwebt. Für uns Leser wird dadurch die Situation erst richtig plakativ und innerlich betroffen. Zum Schluss des Buches werden wir hingegen mit Erklärungen, Absichten, Hintergründen und Motiven überschüttet. Das stellt sich mir etwas unausgewogen dar, die gesamte Aufklärung ins letzte Kapitel zu packen. Das habe ich bei Sherlock Holmes schon nicht gemocht, bei dem der Detektiv auf einmal Dinge aus dem Hut zaubert, die der Leser nicht wissen kann. In diesem Fall könnte ich mir hingegen vorstellen, dass es viele Leser auch nicht wissen wollen.

Das Buch ist quasi als Wirtschaftskrimi, Romanze und dystopische Zukunftsvision zu lesen. Für mich suggeriert die Geschichte, dass wir das Immunsystem besser verstehen und künstliche Abhängigkeiten von Außen vermeiden sollten. Der Mensch könnte sehr wohl ohne Minihandy, permanente Überwachung, regelmäßige Immunisierung durch Impfung, etc. natürlich und frei leben. Doch die gezielte Naturbeseitigung und Einschränkung der Freiheit sind der Schlüssel, um Konzern-Abhängigkeiten künstlich und vor allem global zu manifestieren.

Die unausgesprochene, jedoch implizite Kernbotschaft im Buch ist, die Handlungen von Politik zu hinterfragen und sich nicht zu einseitig zu informieren. Gesundheit lässt sich nicht spritzen. Für Gesundheit muss jeder selbst mit seinem Körper arbeiten. Wir brauchen Natur. Unternehmen geht es um ein solides Businessmodell. Unsere Gesundheit ist ein Markt! Oh, Börse, oh Börse, das Buch bringt es auf den Punkt.

Dienstag, 22. Juni 2021

Das Geheimnis der Schokoladenkekse Ein Fall für Hannah Swensen. Kriminalroman von Joanne Fluke

Mit dem Café "Cookie Jar" hat sich Hannah Swensen sehr beliebt gemacht in der Kleinstadt Lake Eden. Ihre Plätzchen sind ein gern gesehenes Mitbringsel und machen die Bewohner gesprächiger.
Ihr Schwager ist Polizist und gerade mit der Aufklärung eines Mordes befasst.
Hannah nutzt ihre Plätzchen, um bei den Ermittlungen zu helfen. Offiziell darf das keiner wissen, Bill könnte Ärger bekommen. Gerade weil er auf eine Beförderung hofft.
Hannah versucht ihr Möglichstes, doch ihre Neugier ist groß, genauso wie ihr Helferinstinkt.
Also muss sie geschickt ihre Backkunst einsetzen und die Bewohner von Lake Eden ganz unauffällig zum Reden zu bringen. Irgendwer hat bestimmt was gesehen oder gehört, um den Mörder zu fassen.

Ein sehr netter Krimi aus der Reihe "Mord in bester Tradition" aus dem Lübbe Verlag besticht mit Plätzchenrezepten aus der Feder von Hannah Swensen. Am Ende ist eine Übersicht der Rezepte, die im Buch verstreut sind mit Anmerkungen der Bäckerin.
Die Spannung baut sich langsam auf, was der Geschichte nicht schadet. Die Charaktere werden gut vorgestellt, ohne den Leser zu verwirren.
Hannah ist eine sehr sympathische Person, die mir ein wenig zu viel von ihren Plätzchen redet, zumindest verteilt sie am laufenden Band ihre Tüten. Zum Charakter passt es, mir war es eine Spur übermütig.
Die Bäckerin hat Potenzial für eine Reihe, was auch an Bill liegt, dem Schwager.
Als Polizist gibt es immer wieder Zeugen, die befragt werden müssen und vielleicht mit Schokokeksen eher reden.
Die Familie von Hannah bietet ebenfalls genug Gesprächsstoff, von denen würde ich gerne mehr lesen.
Hannahs Liebesleben braucht auch Schwung, von daher muss es eine Fortsetzung geben.
Mir hat dieser leichte Krimi sehr gefallen, es ist eine Geschichte zum wohlfühlen.
Das Cover ist ein Hingucker, man hat viel zu entdecken. Nur das toxische Zeichen an der Bäckereitür ist irreführend.
Der Frauenkopf findet sich vor jedem Kapitel,was zusätzlich sehr hübsch gemacht ist.
Rundum sehr empfehlenswert.


Unter den Masken von Hannah Mauritz

Wie wär es, jeden Tag ein anderer zu sein? Mit dieser Kurzgeschichte kann ich in das wechselhafte Leben von B-78/19 abtauchen.

Dieser ist stets in menschlicher Gestalt unterwegs und zeigt menschliches Verhalten. Doch zu welcher Seite gehört er? Roboter? Mensch? Hat er überhaupt eine Identität. Oder sie?

Gibt es darauf eine rationale oder irrationale Antwort? Ach ja, möglicherweise gibt es mehr. Ein Disput beginnt. Verschiedene Sichtweisen werden ausgetauscht. Die von Menschen, die von menschlichen Robotern. Die Angst vor den Folgen einer Abstimmung steht in den Gesichtern, wenn Roboter Recht bekommen und was wenn nicht? Dienen Roboter den Menschen noch, wenn die gleichgestellt werden? Das erinnert mich an die Diskussion in unserer Gegenwart, ob Unternehmen für Roboter und Automatisierungslösungen nicht genauso Lohnsteuer zahlen müssten, wie für menschliche Angestellte.

Was, wenn ein Roboter in Gestalt eines Menschen für Roboter eintritt, würde er von Robotern akzeptiert? Gibt es einen Streit, einen Streik, einen Streich? Mit welcher Identität?

Das Buch ist spannend durch die Spannung zwischen den Arten. Es gibt viele Fragen und keine einfachen Antworten, im Grunde gar keine Antworten. Aber die Fragen sind auch wichtiger als die Antworten. Die Fragen werden nämlich auch in unserer Zeit zu selten gestellt. Das Buch ist ein Denkanstoß nicht nur für Roboter. Kurz, knapp gerade richtig in der kleinen Pause.

Montag, 21. Juni 2021

Tote Tante von Heidi Wagemann

Gut vorbereitet, ein Leben lang

Heute ist mal wieder Zeit für einen Booksnack: Herunterladen, in der kleinen Pause lesen, ein Gesprächsthema haben. Ja, Booksnacks sind kleine wirklich sehr kleine Bücher, die in 10 Minuten gelesen sind. Ernsthaft, die Rezension zu schreiben, dauert länger.

Doch einen Bernstein zu finden dauert noch länger. Tante Anni macht sich auf die Suche. Sie ist leidenschaftliche Sammlerin. Gerade bei Schietwetter sind Erolgsaussichten besser. Heiko ist dabei ihr mehr oder weniger motivierter Begleiter. Das Buch ist ein kleiner Krimi und es heißt "Tote Tante". Nunja, "Tote Tante" ist eigentlich ein Heissgetränk. Die Doppeldeutigkeit ist gewollt. Sagen, wir es mal so, es gibt Interessen und Begehrlichkeiten.

Die Beschreibung der Örtlichkeiten und die Charaktere haben mir gefallen. Alter schützt vor Tatendrang nicht. Auch wenn der Körper schwächelt, kann das ältere Gehirn der Jugend noch etwas vor machen. Ein wenig hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichte weiter geht. Mir gefällt das Meer, die Gezeiten, der Nebel ... Abenteuer ... man weiß nie was man findet. Gespür ist hilfreich für das was sucht und Gespür für das Umfeld. Vielleicht ist es in diesem Buch

Glück an Bord Ein Kreuzfahrt-Liebesroman von Sonja Flieder

Wer eine leichte Lektüre sucht, ist bei "Glück an Bord" genau richtig.
Es geht um eine Kreuzfahrt mit drei Freundinnen, die einfach mal entspannen wollen.
Für Olivia bedeutet die Reise der Blick in eine leichtere Zukunft. Ein Schicksalsschlag hat ihr schwer zu schaffen gemacht. Mit ihren Freundinnen soll es völlig unbeschwert werden, die Frauen verstehen sich blendend und kennen sich bereits viele Jahre.
Das Schiff bietet viel Luxus an und ein abwechslungsreiches Freizeitangebot.
Es könnte ein so toller Urlaub werden, wenn nicht Alexander auf dem Kreuzfahrtschiff wäre.
Er ist dort Küchenchef und in ihn war Olivia mit 14 Jahren heimlich verliebt.
Wie soll sie sich ihm gegenüber verhalten, erkennt er sie überhaupt?
Plötzlich ist die fröhliche Stimmung dahin. Es wird kompliziert und Olivia hat an ihrer Vergangenheit zu knabbern.
Doch ihre Freundinnen haben auch ein Wörtchen mitzureden. Dem Glück von Olivia darf nichts im Weg stehen.

Die Geschichte beginnt amüsant, mit einem Pechvogel, der beinahe die Kreuzfahrt in Gefahr bringt.
Eigentlich wollten die Frauen zu viert reisen.
Zum Glück haben Rike, Olivia und Chiara sich zu sehr auf die Fahrt gefreut und lassen sich nicht unterkriegen.
Zusammen bilden sie ein amüsantes Trio.
Jede hat ihre Macken, hin und wieder etwas nervig, aber als Freundin immer zuverlässig.
Es ist ein sommerliches Lesevergnügen, ohne viel Trara. Man schlägt das Buch auf und liest sich in eine lockere Geschichte ein.
Viele Namen muss man sich nicht merken, das macht es sehr einfach zu lesen.
Von den Freundinnen macht man sich schnell ein Bild. Die eine ist eine Sportskanone, die andere schnauft bei jeder Treppe.
Es wird gut gegessen, viel gelacht und als Leser sieht man schöne Orte. Ein wenig lehrreiche Geschichte ist auch dabei.
Das Ebook hat etwa 179 Seiten, die im Nu vorbei sind. Großartig nachdenken musste ich bei der Lektüre nicht, es war ein entspannter Genuss.