Sonntag, 4. April 2021

Tafiti - Auch beste Freunde streiten mal von Julia Boehme

In einer sternenklaren Nacht, fällt ein Stern vom Himmel.
Was für eine Aufregung für Tafiti und Pinsel.
Schnell laufen sie zu der Stelle, wo der Stern gefallen ist.
Das kleine Erdmännchen ist schneller als Pinsel und schnappt sich den Stern. Pinsel ist entsetzt, er hat den funkelnden Schatz zuerst entdeckt. Doch Tafiti reckt die Hand in die Höhe, es ist sein Stern.
Die besten Freunde der Welt schimpfen sich an und streiten, dass die Savanne wackelt.
So einen schlimmen Streit hatten die zwei noch nie. Hoffentlich vertragen sie sich wieder. Bei dem Gezeter und Geschimpfe passen sie nicht auf, wer sich da einschleicht.
Nun ist nicht nur die Freundschaft in Gefahr, auch ihr Leben.

Eine beeindruckende Geschichte über Freundschaft wird mit süßen Bildern erzählt.
Es ist ein tolles Buch zum Vorlesen, man kann wunderbar dabei die hübschen Zeichnungen miteinbeziehen.
Ein Streit unter Freunden ist schlimm, umso wichtiger ist, sich auch wieder zu vertragen.

Die Schatten von Westminster: Sebastian St. Cyr 1 von C. S. Harris

Londons Schattenseiten beleuchtet

Die Geschichte spielt Anno 1811. Das klingt erst einmal wie ein passendes Zeitalter für eines der zahlreich auf dem Markt befindlichen Computerspiele mit Handels-, Aufbau- und Entwicklungssimulation. Doch in dem Hörspiel "Schatten von Westminster" geht es mitnichten darum. Es handelt sich eher um einen Krimi. Wir werden in eine Welt versetzt mit Kutschen, in Spazierstöcken versteckten Degen, Duellen wegen Nichtigkeiten, Perversität extremer Ausblühung, ungebändigter Lust, durchtriebenen Geheimdienste, käuflichen Doppelagenten, erlauchten Adel, Etikette, Religion und Abscheulichkeiten, die eine Schlagzeile in London Morning Post oder London Gazette wert gewesen wäre. MOOORDD, schallt es schonungslos durch Londons Straßen! Schon wieder! Dies ist nun schon der zweite mysteriöse unheilige Mord an einer schönen Frau in einer der Kirchen Londons.

Es gibt Gemeinsamkeiten zwischen den Mordfällen. Erst wurden die Opfer geschändet, dann getötet und anschließend zu allem Überfluss vergewaltigt. Die Kirche muss nun neu gestrichen werden. Niemand hat etwas gesehen. Kein Wunder bei dem gelblichen Nebel. Die Frauen werden immer an einsamen Orten, zu ungewöhnlichen Zeiten gequält und ungnädig vernichtet. Zum Glück wird die blutige Tat nicht bis ins Detail beschrieben. Es bleibt unserer dunklen Fantasie überlassen, sich das auszumalen. Jedes mal wurden viele Kerzen angezündet, für eine stimmungsvolle Nacht. Jetzt wird mir klar, warum in Kirchen so viel Kerzen herumstehen und warum es mich dort fröstelt.

Sebastian Devlin St. Cyr. wird beschuldigt von Behörden, da seine Duellpistole am Tatort gefunden wird. Aber wir wissen, Sebastian ist unschuldig. Wissen wir das? Jeder mag schuldig sein, solange seine Unschuld nicht bewiesen wird. Nunja, das wäre aber auch abwegig, Beleuchten wir einmal Sebastian. Er war einst Spion beim Geheimdienst und zieht es vor zu flüchten. Sebastian hat gelernt, zu täuschen und sich als jemand ganz anderen zu verkleiden. Von der britischen Justiz hält er nichts. Er stellt lieber eigene Nachforschungen an. Dabei stichelt er gegenüber einem Londons Ordnungshüter und geht auch ansonsten nicht unbedingt einem Duell aus dem Weg. Er hat selbst oft Zweifel, dass er den Mörder finden wird. Höchstverdächtig! Aber es gibt noch weitere, die noch verdächtiger sind, glaubt mir.

Warum sollten wir uns überhaupt die Mühe machen, nach dem richtigen Mörder zu suchen. Der Mörder kann längst außerhalb seines Wirkungsbereichs und Reichweite entflohen sein.

Für meinen Geschmack wird in den gesprochenen Sätzen zu oft Sebastian erwähnt. "Sagte Sebastian", "Sebastian fragt", "Sebastian nahm" etc.. Ich bin versucht, eine Strichliste zu führen. Gefühlt in 60 Sekunden 20 x Sebastian.

Einzig der gesuchte Verbrecher hat noch keinen Namen. Was wäre London ohne Geheimdienste, sowie Menschen, die viel Geld bezahlen, um etwas geheim zu halten. Zudem gibt es selbstredend absonderliche Dienste gegen Geld unter der Hand. Mit viel Geld lässt sich in London für alles einen Dienstleister finden, z.B. einen Leichenausbuddler oder eben hingebungsvolle Frauen. Oder Informationen von Frauen. Bei Frauen werden Männer weich und vertrauen gerne ihre sensiblen Informationen an - wissend oder unwissend. Das Frauenbild war Vorteil und Fluch in dieser Zeit. Frauen wurden in diesem Jahrhundert von Männern häufig unterschätzt, mitunter gering geschätzt, nicht selten auch gehasst für was auch immer. Aber auch geliebt.

Lieben werden Hobbyermittler auch die vielen Puzzlestücke aus Sebastians Ermittlungen, die kapitelweise eintrudeln. Wie muss man die Hinweise verstehen, was ergibt ein Bild. Nicht irgendein Bild, das Bild des Täters. Ist es ein Geistlicher, ein Homosexueller, ein hochnäsiger Vertreter des Adels, der Geheimdienst, Förderer? Was spricht dafür, was dagegen? Die Zeit läuft, denn auch nach Sebastian wird gefahndet.

Für mich ist es ein gut gemachtes Hörspiel mit dem Sprecher Kevin Kasper, der gut seine Stimme den Charakteren anpassen kann. Insgesamt stehen uns 13 Std. und 38 Min Hörvergnügen zur Verfügung.

Die Autorin C.S. Harris hat übrigens bereits eine Fülle von Bücher zu Sebastians Fällen geschrieben. Doch jeder Fall ist abgeschlossen, wie auch dieser hier. Klassische Krimis aber auch Mystery scheibt C.S. Harris - stets historisch-fiktiv, mit Romanze, Ermittlungen und unzähligen "Sebastian" in jedem Absatz. Wenn ich nachts schweißgebadet hochschieße und "Sebastian" ausrufe, würde es mich nicht wundern.

Osterbrote, diesmal mit 1/2 Wüfel Hefe

 Schmeckt viel besser diesmal.






Samstag, 3. April 2021

Imkersterben von Patricia Brandt

Summ, summ, summ, die Imker fallen um

Das Buch "Imkersterben" von Patricia Brandt genießt der Leser am besten bei einer Tasse heißem duftenden Kaffee und einem Fischbrötchen. Es geht gemütlich zu in Hohwacht. Und doch ist ein Bewohner gestorben. Wir können uns denken, dass dies nicht ganz natürlich geschehen ist, da es sich hier um einen Kriminalroman handelt. Ja und der Titel deutet schon darauf hin, dass es ein Imker war. Die Anwohner legen eine Schweigeminute ein, die nicht lange hält, da jemand zu der Gesellschaft hinzustößt und amüsiert die Stimmung bewertet: "Was 'n hier los? Ist jemand gestorben?". Das ist der Humor, wie ich ihn mag. Immer wieder werden von der Autorin aus dem Nichts ulkige Beschreibungen oder Entgegnungen eingeflechtet, wo ich den Kaffee über den Tisch pruste.

Als ich im Buch las, dass Honig manchmal mit billigem Sirup gestreckt würde, habe ich gleich an meine zwei Honiggläser gedacht, die ich beim Bauern gekauft habe. Hmm, kein Kontrollzeichen, worauf begründet sich mein Vertrauen. Andererseits wie gut und umfangreich sind die Kontrollen in Supermärkten? Ist Honig aus nicht EU Ländern womöglich gestreckt ohne nachweisbar zu sein? Wurde der Honig zu früh geerntet?

Nächste Überraschung im Buch war, dass ein Imkeranzug 129 Euro kosten kann. Da muss ein Imker schon jede Menge Honig verkaufen müssen. Schließlich ist das nicht das einzige Utensil, was ein Imker benötigt. Ernüchternd stelle ich fest, dass der teure Schutzanzug nicht vor Mord schützt.

Es wird deutlich, dass Imkern mir eher als ein Hobby erscheint als eine ernsthafte Einnahmequelle. Je mehr Geld verdient werden will, desto mehr Völker müssen betreut werden. Im Internet habe ich gefunden, dass etwa 10 Stunden pro Bienenvolk im Jahr aufzuwenden sind. Bei 60 Völkern also 600 Stunden im Jahr. 600 kg Honig im Jahr. Das macht 6000 Euro. Also 10 Euro pro Stunde Verdienst.

Unser Kommissar Oke ist hingegen sehr gut bezahlt. Er hat so seine besonderen Ermittlungsmethoden. So bückt er sich gerne, um im Untergrund Verbrecher zu suchen. Das Buch hat 282 Seiten und auf Seite 168 meint Oke grummelnd, dass er noch keine Verdächtigen habe. "Schau ma moi, dann seng mas scho", denke ich. In der Tat kommen hier und da Regionaldialekte zum Einsatz, was die Charaktere authentischer erscheinen lässt.

Ich merke auch, dass die Autorin sehr sauber recherchiert hat und selbst über einige Imker-Erfahrung besitzt. Verbrechen und Wissen rund um Honig vermischt sie unheilig in dem Buch und streckt damit den Roman.

Als leidenschaftlicher Honigesser war ich fast schon erschrocken, wie stark das Panschen verbreitet ist. Und wie hilflos der Konsument ist. Vertrauen ist schön, aber Kontrolle ist besser scheint es, aber können wir der Kontrolle vertrauen?

In ihrer Verunsicherung werden die Konsumenten demnächst tief ins Honigglas schauen und womöglich eigene Qualitätsuntersuchungen unternehmen. Wird der Honig auf Löschpapier eingesogen? Ist der Honig flüssig? Woher stammt der Honig? Wurde eine Kontrollstelle oder ein Siegel angegeben? Und ich bin mir sicher, dies wird nicht lange anhalten. Zu groß ist die süße Versuchung, zu beliebt ist das Produkt, zu gern beobachte ich das unermüdliche Treiben meiner Arbeitsbiene, während ich gemütlich in dem Buch schmökere. Schatz? Wann gibt es Abendbrot?

Leichenblume von Anne Mette Hancock

Anne Mette Hancock ist noch jung in der Krimi Szene, doch bald wird sie andere Autoren überholen. Der erste Teil um den Kommissar Erik Schäfer und die Journalistin Heloise Kaldan startet mit einem brisanten Thema.
Der Schreibstil der Autorin ist flott, gut verfolgbar, keine überflüssigen Sätze und keine eintönigen Dialoge. Sie hat eine sehr spannende Story zu Papier gebracht. Die Geschichte baut sich allmählich auf, beginnt niemals zu langweiligen.
Ich habe mich von Beginn mit dem Buch gut zurecht gefunden.
Heloise Kaldan ist mir zwar nicht sehr sympathisch geworden, doch ihre Arbeit und Vorgehensweise ist mutig.

Die mysteriösen Briefe, die Heloise erhält, sind zunächst sehr verwirrend und sie kann sich keinen Reim daraus machen.
Während ihrer Recherche gräbt sie tief und wird mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert.
Eine Suche nach der Wahrheit beginnt, in die der Kommissar Erik Schäfer ebenfalls tief hineingezogen wird. Die Ermittlungen werden gefährlich für alle Beteiligten.
Ein mächtiger Mann hat seine Finger im Spiel und er könnte die Ermittlungen sehr behindern, sogar beenden.

Ein teilweise verstörender Thriller über Rache, Gerechtigkeit und Vergebung. Eine Kombination, die das Buch hochspannend macht.
Es kommt zum Ende recht überraschend zu einer Wendung und zu einem erstaunlichen Finale.
Eine Fortsetzung ist bereits in Planung, am Ende findet sich eine Leseprobe zum 2. Fall mit Erik Schäfer und Heloise Kaldan.
Die Autorin hat mich überzeugt, ich werde sie mir merken.

Kornburg

Freitag, 2. April 2021

Burgbernheim

 




Altmühlquellgebiet

Wildbad Burgbernheim
1356 entstand nach einem Erdbeben unterhalb des Spitals eine Quelle. Im 18. Jahrhundert zählte der Kur- und Erholungsort zu den bedeutendsten Kurbädern Europas, das auch der Markgraf von Ansbach besuchte.