"Das Glück hat acht Arme" von Shelby Van Pelt, erschienen im Fischer Verlag, übersetzt von Andrea Fischer.
Das Sowell Bay Aquarium bietet Tova einen Job, der ihr die Gedanken vertreibt. Die Witwe ist 70 Jahre alt, ihr Sohn verschwand vor 30 Jahren. Was damals passiert ist, umtreibt Tova. Der Riesenoktopus Marcellus scheint ihr zuzuhören. Er schaut neugierig und fragend auf Tova, als würde er jedes Wort verstehen.
Cameron hat mit seinen 30 Jahren noch nicht viel auf die Reihe bekommen.
Auf der Suche nach seinem Vater fährt er nach Sowell Bay.
Auf wundersame Weise sorgt Marcellus mit seinen acht Armen für eine Verbindung zwischen Tova und Cameron.
Die Geschichte wird abwechslungsreich von Tanja Fornaro und Oliver Kube erzählt.
Marcellus hat seinen eigenen Sprecher, der von Oliver Kube realitätsnah präsentiert wird.
Marcellus ist ein interessanter Charakter, der mit seiner Intelligenz für Überraschungen sorgt.
Tova ist eine warmherzige Frau, die niemandem zur Last fallen will.
Cameron ein Chaot, der bisher keinen Job sehr lange behalten hat.
Mit diesen 3 Hauptfiguren ist eine illustre Geschichte entstanden. Die Athmosphäre beinhaltet Humor, Kopf schütteln, Zuneigung und Hoffnung. Es gibt Szenen zum lachen und zum weinen. Tova sorgt für ungewollte Abwechslung, während Cameron von mir einen Stoß in die richtige Richtung benötigt hätte. Er ist unreif, eine leitende Hand wäre hilfreich.
Der Oktopus hat mich glücklich gemacht. Der weise Herr hat viel zu erzählen, auch wenn er in Gefangenschaft lebt. So lebendig wie er dargestellt wird, glaubt man, er spricht tatsächlich.
Ich kann das Buch sehr empfehlen, die Wärme strahlt aus den Kopfhörern.
Mittwoch, 28. September 2022
"Das Glück hat acht Arme" von Shelby Van Pelt, Hörbuch mit Tanja Fornaro und Oliver Kube
"The Boy Who Steals Houses: The Girl Who Steals His Heart" von C. G. Drews
Erschienen im Fischer Verlag 09/2022
empfohlenes Alter: ab 13 Jahre
Sam ist fünfzehn, er kümmert sich um seinen 2 Jahre älterer Bruder, dieser ist Autist. Schon früh waren die Brüder auf sich gestellt. Jeder Tag ist eine Herausforderung für Sam. Er bricht in leerstehende Häuser ein und klaut Essen.
In einem Haus kommt die Familie früher aus dem Urlaub zurück. Doch keiner merkt, das Sam nicht dazu gehört. Die Kinder denken, Sam gehört zu einem Geschwisterkind und dieses denkt, er gehört zum anderen.
Eine lustige Geschichte beginnt mit bitterem Beigeschmack. Sam sehnt sich so sehr nach einer Familie und Geborgenheit, dass er vorerst bei den De Laneys bleibt. Er ist geschickt darin sich unsichtbar zu machen.
Bis er sich in Moxie verliebt, als wären seine Probleme nicht bereits kompliziert genug.
Seine dunkle Vergangenheit kämpft sich an die Oberfläche und droht, alles kaputt zu machen. Die zarte Freundschaft zu Moxie, seine Beziehung zu seinem Bruder und seine eigene Zukunft stehen auf der Kippe.
Dieses Buch hat mich zum weinen gebracht. Gleichzeitig ist eine Wut entstanden, auf die Menschen, die Kindern Böses antun. Es ist aber auch eine Geschichte zum Lachen. Viele schöne Szenen ließen mein Herz aufgehen.
Diese Gratwanderung zwischen Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt ist der Autorin phänomenal gelungen.
Sam ist sehr sympathisch, ich habe ihm seine Fehler verziehen. Während des Lesens habe ich ihm so viel Glück gewünscht.
Meine Emotionen sind Achterbahn gefahren. So ein tolles Buch mit facettenreichen Bildern, es wird von allem etwas geboten. Es ist ein Buch, was ich nicht wollte, das es endet. Die Seiten erzählen eine bewegende Geschichte, die ich gerne weiterverfolgen würde.
"The Boy Who Steals Houses" verdient ganz viel Liebe, die er von "The Girl Who Steals His Heart" unbedingt bekommen muss.
Dieses Buch gehört zu meinen Highlights.
Montag, 26. September 2022
Herz sucht Zuhause von Kristina Moninger
Samstag, 24. September 2022
Dienstag, 20. September 2022
Der Sturm von Jane Harper
Ein Sturm auf der Insel Tasmanien hat vor zwölf Jahren das Leben von Kiernan sehr verändert. Sein Bruder kam ums Leben, Schuld daran war Kiernan, zumindest sieht es sein Umfeld so.
Zur gleichen Zeit verschwand ein Mädchen. Gab es einen Zusammenhang?
Als Kiernan zurück kehrt mit Freundin und Kind, scheint die alte Schuld noch immer nicht vergessen zu sein.
Dann wird eine junge Frau tot am Strand gefunden und die Vergangenheit wird wieder hervor gebracht.
Kiernan findet sich in einem Strudel voller Erinnerungen wieder. Es tauchen auch neue Erkenntnisse auf. Die Polizei befragt die Bewohner und entdeckt lange verstecktes.
Eine Familientragödie betrifft die ganze Geschichte. Es dreht sich viel um Kiernan. Er nimmt viel Platz im Buch ein. Durch seine Präsenz verdrängt er etwas seine Freundin Mia. Auch von anderen Charakteren hätte ich gerne mehr erfahren.
Es ist eine Geschichte, die sich langsam entwickelt und erst ab der Hälfte an Spannung aufbaut.
Ich hatte eine stürmische und spannende Geschichte erwartet, es ist doch eher ein Drama um verlorene Liebe und verlorene Freundschaft. Das Genre Thriller trifft nicht zu.
Den psychologischen Tiefgang hat die australische Schriftstellerin Jane Harper gut hinbekommen. Die Stimmung zwischen Kiernan und seiner Familie ist deutlich und intensiv spürbar.
Auch das Landschaftsbild wird gut erzählt. Eine Spur zu viel von einem Mahnmal am Wasser.
Das Buch liest sich nach einigen Seiten sehr gut. Man sollte es recht zügig lesen, da es eine anfängliche Bremse hat, die sich später löst.
Insgesamt ist es eine teilweise düster wirkende Atmosphäre, durch die Feindseligkeit zwischen manchen Personen.
Diese Stimmung ist gut greifbar und wird von der Autorin recht intensiv beschrieben.
Mir hat es gut gefallen, es reicht nur nicht für volle 5 Sterne.
Sonntag, 18. September 2022
Nobelpreis für Mord von Dieter Pueschel
Der arabische Geheimdienst weiß, dass Kashoggi was weiß, dass dem Regime gefährlich werden könnte. Kashoggi denkt, er wäre in Sicherheit. Aber er ist töricht und naiv, nicht? Er müsste es besser wissen.
Doch falsche Entscheidungen können sich im Verlauf der nachfolgenden Ereignisse als richtig erweisen, wie auch richtige Entscheidungen auf längere Sicht falsch sein können.Ein Glied folgt aufs andere und das Leben ist auf einmal Müll. Die Botschaft stellt sich als Sackgasse dar, die er im Sack als Pack verlässt.
Das macht so gut wie ein Drittel des Buches aus. Ein langer Anlauf mit sehr viel detaillierten Erklärungen des aktuellen Weltgeschehens! Auf dem Cover sehe ich quasi bildlich die Zusammenfassung. Das Buch ist nicht besonders seitenstark mit 141 eBook Seiten. Das ist gut, denn weitere Fälle warten auf Kommissar Kopta.
Das BKA versucht sich an ein paar unkonventionellen Abkürzungen, sonst wäre das Buch länger.
Uns erwarten sehr viele Dialoge. Dadurch ist der Handlungsvortrieb etwas gebremst, aber wir können sehr gut nachvollziehen wie sich aus Schilderungen aus Beobachtungen und Spurensicherungen, Schlussfolgerungen entstehen. Später kommt dann die Aktion. Natürlich darf in einem Agenten-Thriller eine Verfolgungsjagd nicht fehlen.
Deutschland, Arabien, USA, Russland und Türkei sind in dieser Geschichte involviert und der Fall, um den sich anfangs niemand kümmern so recht will, wird zu einer internationalen Angelegenheit. Das macht neugierig, nicht wahr? Aber was ist daran nobelpreisverdächtig? Glücklicherweise sind Wissenschaftler sehr geschwätzig, wenn man sich für ihre Arbeit interessiert. Doch manchmal wäre man froh, man hätte nicht gefragt. Fragen machen klug. Ja schon, aber wer viel weiß..., ja das hatten wir bereits. Es ist wohl das Beste den Anweisungen zu folgen. Das Argument wird n-fach in dem Buch gebracht. Sagt meine Frau übrigens auch immer.
Komisch fand ich den Schluss, der unmittelbar und unerwartet kommt. Das hätte auch anders ausgehen können, heißt es. In der Tat! Wäre sogar besser gewesen. Ist noch ein Band geplant, der an diesen anknüpft? Naja, wäre auch nicht authentisch, wenn alle Bösewichte dieser Welt mit einer Buchklappe erledigt wären. Und es wäre ja auch nicht gerade Zuständigkeitsbereich vom BKA. Auch nicht mit unkonventionellen Abkürzungen und schon gar nicht, wenn die Anweisungen befolgt werden. Mit diesen messerscharfen Überlegungen in meinem genetisch über Generationen hinweg verbesserten Hirn hat das Buch Unterhaltungswert. Für einen Bücher-Nobelpreis hat es noch nicht gereicht, aber auch ohne lässt sich glücklicherweise Gewinn ganz im Verborgenen erzielen.



















