Freitag, 15. Oktober 2021
Mittwoch, 13. Oktober 2021
Weitwandern live! von Matthias Bargel
Nach einem Einleitungskapitel, das einen gewissen Überblick über die Orte gibt, wo der Autor Matthias Bargeld für Erinnerungen verbindet, geht es los.
Was mir zu Beginn fehl, ist die Angabe der Kilometer, der geplanten Tage und warum weit wandern. Ersteres kommt zum Schluss des Buches. Wie bereitet man sich auf so eine Tour vor? Immerhin gibt es eine Packliste - hinten im Buch. Wie fällt die Verpflegung aus? Ja darüber wird auf der Reise berichtet. Essen wird sehr häufig aufgeführt und detailliert. Zu den Orten gibt es sehr wenig Information. Da ich die Städte gut kenne, hätte ich mir an dieser Stelle, Insidertipps in oder weiterführende Links erhofft.
Wie wird übernachtet? Klassisch. Was kostet so ein Reise - Reisebudget? Keine Antwort.
Dann sehe ich eine Überblickskarte mit der Rundtour, die sein Wanderpartner und der Autor gemacht hatten. Es ist in der Tat eine weite Strecke, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass gerade dieses erwanderte Gebiet spektakuläre Stadt-, Land-, Flusslandschaften bereithält.
Im Buch befinden sich zahlreiche Fotos. Diese sind bezaubernd und bezeugen, dass sich die Tour lohnt.
Der Autor wundert sich über die teilweise merkwürdige Benamung von Städten, wie Rothenburg ob der Tauber oder Schwābisch Hall. Er erklärt die Wortbedeutung nach eigenen Recherchen.
Was wurde inzwischen an Wegstrecke geschafft, was steht noch an? Wie viel Kilometer am Tag wurde zurückgelegt? Das kommt nicht richtig raus.
Bei mir entsteht der Eindruck, es wurde keine Auswahl getroffen für Themen, die den Leser interessieren könnten. Das Buch liest sich wie ein während der Reise geschriebener Reisebericht.
Im Vergleich zu anderen Geschichten fehlt hier so ein Motto oder Ziel wie Gewichtsverlust, sich selbst finden, schauen, ob man es schafft, mit möglichst wenig Geld, um Tipps im Sinne eines Reiseführer zu sammeln, neues entdecken, etc.. Nein, dem Autor geht es eher darum zu entschleunigen. Das Buch hat daher außer der Strecke keinen roten Pfaden und keine thematische Klammer. Zusammenhanglose Aneinanderreihungen, ich lese Kapitel um Kapitel.
Okay, der Autor hat entschleunigt, den Weg genossen und das Erlebte in einem Buch festgehalten. Erzählte Entschleunigungserfahrung mit ein paar Aufregern eignet sich nicht dafür, mich zu begeistern. Das Buch löst nichts in mir aus. Soll es den Leser animieren mehr zu wandern, auch zu entschleunigen? Soll der Weg schmackhaft gemacht werden? Welches Ziel wird verfolgt?
Der Autor stellt keine Verbindung zum Leser her und schafft wenig Orientierung. Es heißt, wenn jemand eine Reise tut, hat er was zu erzählen. Dann sollte das "was erzāhlt wird" zumindest ein Attribut aufweisen: lehrreich, erheiternd, spannend, beeindruckend oder unterhaltend. Was wäre hier meine Erwartungshaltung? So wie "Picknick mit Bären", oder "Ich bin dann mal weg" zum Beispiel.
Umfangreich ist das Buch nicht. Es ist schnell zu lesen.
Irritiert hat mich, dass auch Themen referiert wurden, die nichts mit der Reise zu tun haben, wie Flüchtlinge, Zuwanderer, Verschwörungstheoretiker.
Zum Schluss gibt es eine Übersicht über die Etappen mit Kilometerangabe und den besuchten Orten.
Dann finden wir noch die Packliste. Gewundert hat mich die Dunkle Schokolade. Mit Sonne wurde offenbar nicht gerechnet oder die Tafel wurde bereits auf den ersten Kilometern verzehrt.
Als ich Faltkarten und Kartenleselupe sah, habe ich geschmunzelt, dass es so etwas heute noch im Einsatz gibt.
Das Literatur-Verzeichnis ist sehr dünn. Dennoch enthält es einen Link zur offiziellen Seite des Kocher-Jagst-Trails, der für mich die Information zusammenstellt, die ich im Buch vermisse.
Ich finde schön, wenn der Autor seine Umgebung wahrnimmt, wertschätzt, in der Natur wandert, öffentlich schreibt, was er dabei denkt. So bin ich auch, ich schreibe hier was mir gefällt und was nicht. Es ist sicherlich eine tolle Strecke, doch trotz Bebilderung und Beschreibung, wirkt das Buch wie ein Sammelsurium von niedergeschriebenen Gedanken. Ungefiltert, unbearbeitet, unsortiert - live! Die Leistung mehrere Tage hintereinander eine beachtliche Strecke zu wandern, ist bemerkenswert. Hierzu meinen Applaus.
Dienstag, 12. Oktober 2021
David Reimer - Das Geheimnis der schwarzen Pyramide
Diebe, Liebe und Hiebe, sowie Götter, Dämonen und Gelehrte. Eine gute Mischung für ein weiteres Abenteuer mit Henry.
Die Henry Voigt Abenteuerreihe fängt mit dem Erlebnissen eines Grabräubers an Dieser macht nach seinem Raub eine erstaunliche Karriere. Zudem wird Ägypten beachtlich mächtig. Allerdings hat dies alles ein Nachspiel. Dieser Prolog spielt stimmungsvoll in der Vergangenheit und durch diesen Wissensvorsprung können wir die nachfolgenden Kapitel besser verstehen.
Nach dem Prolog geht es mit Henry Voigt, dem berühmten Archäologen weiter. Er erfährt von einer Entdeckung, die die ägyptische Geschichte verändern wird. Das Geheimnis liegt in einer schwarzen Pyramide. Also begibt er sich auf die Suche. Auf S. 139 endlich ist er auch auf unserem Stand. Er hat alles anhand der Funde und Schriften erschließen können, was damals im Prolog passiert ist.
Henry lernen wir in diesem Buch von seiner romantischen Seite kennen.
Gefallen hat mir, dass ich einiges über Mythologie und altägyptische Besonderheiten erfuhr. Viele Rätsel sind nur mit Verständnis für den damaligen Zeitgeist und mit historischem Wissen zu knacken. Ägypten war einst ein reiches fruchtbares Land, welches durch seine Weltwunder bekannt wurde. Wie sehr hat sich doch das heutige Ägypten verändert.
Bezüglich der Schilderungen fällt es nicht leicht zu unterscheiden, was davon bestätigte Fakten und was Fiktion ist. Die Stadt der Toten hätte nach Aussage im Buch auch einem Fantasy-Roman entstammen zu können. Humor, wie ich ihn mag. Leider zu selten anzutreffen. Was will ich in der Unterwelt auch anderes erwarten?
Am Ende des Buches klärt der Autor David Reimer auf, was er vom geschichtlichen Verlauf und was an Orten verarbeitet hat. Für mich entsteht der Eindruck, dass diese Lehrwissenschaft der Archäologie und Mythologie auch ohne Fiktion schon interessant wäre.
Der Leser verfolgt die Entdeckungen, Schlussfolgerungen und Erkenntnisse von Henry mit. Viele Geheimnisse gilt es zu lüften, Verstecke zu entriegeln und erwartungsvoll zu öffnen. Immer diese Spannung, was wir finden werden und wie es uns weiterbringt. Es ist offenbar manches unerklärlich oder mystisch. Der Übergang ist fließend zwischen altägyptischen Göttern, Dämonen, Artefakten, Kreaturen und der Gegenwart.
Das Leben des Archäologenteam erschwert zudem ein gewaltbereiter Gegenspieler.
Das Buch ist ein großes Abenteuer. Der Weg, den Henry einschlägt ist gefahrvoll, doch meist ist Weg zurück die größte Herausforderung. Und ich stelle mir die Frage, ist es das wert. Es ist ganz in und gar nicht klar, ob am Ende sich die Suche lohnt. Doch merkwürdigerweise stellt sich Henry diese Frage nie. In der Not hat er Freunde, die ihm auf die Sprünge und richtige Fährte setzen.
Das am häufigsten mir präsente Wort ist der Tod. Fiktive Evidenzen für ein Leben nach dem Tod ziehen sich durchs ganze Buch.
Eine schöne Vorstellung und Trost im heutigen Anthropozän Zeitalter.
Eier
Filterkaffee ist gesund
Sonntag, 10. Oktober 2021
Agiles Projektmanagement: Theorie & Praxis von Dr. Tomas Gustavsson
Agil ist in aller Munde, doch verstehen wir überhaupt warum und worauf die Projektorganisationsmethode basiert?
Im ersten Kapitel wird agiles Projektmanagement mit klassischem Wasserfall-Modell Projekten verglichen. Was für mich hierbei noch nicht durch den Text herüber kommt, ist, dass beim Agilen in den Sprints die Phasen nicht nacheinander, sondern parallel abgearbeitet werden. Das vermeidet Abhängigkeiten und verhindert Leerlaufen und Wartezeiten von Projektmitgliedern, die die Arbeitsergebnissen von anderen brauchen.
Ein vollständig agiles Projekt ist nicht, wie der Autor mit der Buchstruktur suggeriert, dass die Wasserfall Projektphasen mit agilen Konzepten, Rollen und Sprinttaktung angereichert werden.
Timeboxing=Sprints? Nein, das ist zu kurz gesprungen. Timeboxes sind zeitliche Begrenzungen für Sprints, Aktivitäten, Redezeit, Meetings, unvorhersehbare Zusatzaufgaben/Komplikationen, u.v.m.
Bei dem Beispiel "Modifizierte Rahmenbedingungen" fehlt mir das Fazit. Es nimmt immerhin eine ganze Seite ein.
Der Begriff Leistung wird nicht definiert.
Kapitel 2 thematisiert die zeitliche Entwicklungshistorie von agilen Vorgehensmethoden.
Kapitel 3 stellt agile Rollen und Gruppen vor.
Bei der Aussage "Reduzierung von Experten und damit deren Genehmigungsfunktion" gehe ich nicht mit. In der Projektpraxis bewähren sich zwar überwiegend demokratische Entscheidungen. Doch gerade für den Fall, dass es zu einer nicht aufzulösen dann Situation kommt, z.B. wo das Team sich nicht einig wird, ist eine Guildlead-Position wichtig, die notfalls eine Entscheidung fällen kann. Später im Buch bringt der Autor selbst das Bei Spiel, dass nur 99 Prozent durch das Team (mit Hilfe Scrummaster zu lösen sei). Ich würde mich da nicht auf eine Zahl festlegen wollen, da dies oft an Menschen, deren Fāhigkeiten, technischen, wie politischen, kulturellen Hintergründe hängt.
Die Testerrolle ist meines Erachtens nicht allein für die Anforderungsklärung verantwortlich, sondern der Teamleader, die ihre Guilde (z.B. Definition, Architektur, Konstruktion, Verfikation&Validierung, Kundenauslieferung) vertreten können.
Unter den Rollen ist der Projektmanager als Rolle nicht genannt. Komischerweise soll sie jedoch im Lenkungsausschuss berichten.
Im Kapitel 4 geht es um die Vision. Hier vermisse ich eine Referenz zum SAFe PI Planning.
SAFe kommt im Kapitel 5 sehr rudimentär beschriebenen vor. Das ist insofern enttäuschend, da im Vorwort des Autors "mehr" angekündigt wird. Aus mehr wurde nach agilem Prinzip offenbar weniger.
Was ich insgesamt sehr gut finde, dass der Autor nicht den Leser mit der Komplexität einer Methodik erschlägt, sondern in Wort und Schaubild es vereinfacht darstellt. Er holt damit klassische Projektmanager mit deren Vorkenntnis ab und baut Brücken zu entsprechenden Prinzipien und Vorgehensweisen der agilen Methodik.
In dem Buch mit 254 Seiten sind viele Themen angerissen.
Klarer hätte ich mir ausgedrückt gewünscht, wenn die agile Methodik eine Projektmanagement sei, es nicht zwingend einen Projektmanager braucht. Unabhängig davon ist für mich dies eher eine Projektorganisation, manchmal auch spürbar als Projektreligion. Der Begriff Management wird peinlichst vermieden. Teammanagement gibt es ja zu 99 Prozent ;-) nicht, sondern selbstbestimmte Teamorganisation.
Was gut im Buch ist, dass es Referenzen zu speziellen aktuell diskutierten "Umsetzungsmodellen" gibt. Deren Besonderheit wird in dieser Ausgabe nicht weiter ausgeführt, da es vermutlich die Zielgruppe "Einsteiger" gedanklich schnell abhängen würde. Doch zumindest einen Satz hätte ich mir gewünscht. Es wäre zu schade, wenn der Leser diese Schlagworte liest und nichts verbinden kann.
Gegen Ende des Buchs finden sich Vorschläge für Checklisten und weiteres Erläuterungsmaterial als Beispielumsetzung.
Metriken, Tickettemplates, Akzeptanzkriterien, unterstützende Implementierung und Automatisierung in Tools werden nicht im Buch detailliert. Insbesondere Projektstatusberichte wären ein Must-Have in diesem Buch gewesen.
In den Leseempfehlungen, die das Buch abrunden, vermisse ich das Spotify Modell, welches zuvor erwähnt wurde.
Wenn ich mich in einen klassischen Projektmanager versetze, der wird gut mit Buchaufbau zurechtkommen. Er wird schlussfolgern, agiles Projektmanagement ist auch nur ein Wasserfall-Projekt, wo agile Techniken und Rollen in aufeinanderfolgenden Phasen organisiert sind. Unter der Annahme, dass der Autor dies nur vereinfacht aus didaktischen Gründen so umgesetzt hat, vergebe ich knappe vier Sterne für den Buchinhalt.
Samstag, 9. Oktober 2021
Kriminelle Intelligenz von Elke Schwab
Zukunft trifft auf Vergangenheit
Der Prolog erzählt das Gefühl eines Attentäters vor seinem Attentat. Scheinbar war es nicht das erste Mal. Oha, was wird wohl jetzt passieren?
Dieser Krimi spielt im Saarland und thematisiert den Aufbau der Firma DynamoCars. Diese will selbstfahrende Autos produzieren und vertreiben. Diese Fahrzeugklasse muss ausgiebigen Audits, Assessments und Testfahren bestehen bevor dies wirklich zugelassen werden kann.
Es passieren Morde, wie soll es auch anders sein, und die Polizeibeamten ermitteln. Doch kommt ihnen die ganze Sache mehr und mehr komisch vor. Der Täter ist entweder irre, dreist oder verzweifelt. Oder sind es mehrere?
Der Leser ist gegenüber den Beamten in Vorteil, denn die Gedankengänge des Täters werden ab und zu eingeblendet. Dieser hält offenbar seinen Plan für perfekt. Anfangs denke ich, dass ich ihm gerne einmal erklären würde dass Pläne, die nicht ständig an die Entwicklungen angepasst werden, scheitern. Das müsste ein offenbar begnadeter Programmierer doch wissen. Die sind doch heutzutage alle "agil" unterwegs und erklären "Änderungen" als heiligen Akt.
Unabhängig davon freut sich Täter diebisch. Ach, wie gut, dass niemand weiß, wer hinter all dem steckt. Die Presse freut die eigenen reißerischen Schlagzeilen. Und die Polizei muss erst einmal die Messerstiche verdauen.
Wobei ich auch vermutet habe, dass der Täter gar nicht menschlich ist, sondern eine künstliche Intelligenz. So würde auch der Titel und das Coverbild gut zusammenpassen. Vielleicht bin ich jedoch von zuviel Science Fiction Lektüre bereits über den Straßenrand herausgeschossen.
Das Buch habe ich in schneller Durchfahrt gelesen. Es behandelt zwar automome Fahrzeuge, also ein modernes Thema und nennt ein paar technische Besonderheiten, aber allzu detailliert wird es nicht. Es soll ja nicht nur Autoliebhaber und Branchenangehörige erfreuen.
Was gut im Buch rüber kommt, ist die Begeisterung für den neuen Komfort, die die Technik der selbstfahrenden Autos bietet. Daher wird ja derzeit sehr viel von seitens der Hersteller in den Aufbau von Cybersecurity und Informationsecurity investiert. Gesetzgeber rüsten ebenfalls ihre Regulierungen nach, sodass solche Produkte sicher sind, wie der Tod. Andererseits spüren die Testfahrer auch, dass sie der Technik vertrauen müssen, damit sich ihre Fingernägel nicht dauerhaft in die Kunststoffarmatur einarbeiten. Der Teufel steckt manchmal in unvorhersehbaren Details. Ein Flüchtigkeitsfehler bei der Programmierung oder eine ungetestete Konstellation kann fatale Folgen haben. Es ist halt ein Unterschied, ob unser Smartphone einen Hänger hat oder ein Auto in dem wir sitzen.
Trotz aller Zukunftstechnik, lohnt es sich bei der Ermittlung in die Vergangenheit zurück zu schalten.
Von der Autorin Elke Schwab werden die Personen ganz liebevoll beschrieben. Deren Dialoge sind locker und authentisch, nicht immer beruflich, zielführend und so vergeht Seite um Seite, ohne wirklichen Ermittlungserfolg. Nein, es ist kein lustiger Krimi und ich habe ihn auch nicht wirklich brutal oder thrillermäßig empfunden. Cosy war er allerdings auch nicht. Ich musste Geduld haben, denn Rumpelstilzchen blieb lange versteckt. Erst auf den letzten Seiten werden die Hintergründe zur Tat und Täter vollständig offenbart.
Ich hätte mir etwas mehr kriminelle Intelligenz erhofft, bzw. Raffinesse bei der Krimihandlung. Das Buch ist nett zu lesen, sauber geschrieben, durch das Fahrzeug-Thema hochaktuell, aber zugleich auch klassisch aufgebaut, wie die meisten Krimis. Ja, so läuft es halt. Was will der Leser anderes erwarten?
Bei mir hat jedenfalls der Airbag nicht gezündet und ich habe nur vier Sterne gesehen.