Montag, 15. November 2021

Die Seele eines Spukhauses von Helena Gäßler

Eine Gänsehaut überzieht mich beim Lesen dieser feinen Gruselgeschichte.
Das Herz klopft ein bisschen schneller beim Umblättern der Seiten.
Es baut sich eine Spannung auf, die mich ein wenig zittern lässt.
Horror ist es nicht, was das Buch bestimmt.
Die düstere Stimmung wächst und es wird mysteriös.
Ängstlich geworden bin ich nicht, doch spät abends wollte ich die Seele des Spukhauses nicht lesen.
Faszinierend und interessant geht die Hauptfigur ihrer Arbeit nach.
Die Hausflüsterin ist intelligent und präzise in ihrer Geisterforschung.
Magnolia hat ihre ganz spezielle Vorgehensweise beim durchforsten des Spukhauses. Von anderen wegen ihrer Art belächelt, scheint sie im Haus vorwärts zu kommen.
Shaw Manor ruht seit einigen Jahrzehnten. Keiner traut sich hinein, ein Verkauf ist nicht möglich.
Der Spuk im Schloss ist zu überwältigend.
Mit Magnolia habe ich mitgefiebert, ich hatte ein wenig Angst um sie. Mir war klar, sie ist eine Expertin auf ihrem Gebiet, doch manche Szenen waren gefährlich.

Zu Beginn ist eine Erklärung der Level von den Manifestationen und Grundregeln des Exorzismus. Magnolia erwähnt immer wieder die Stufen der Erscheinungen und Illusionen. An manchen Stellen war ich ein bisschen verwirrt aufgrund der vielen Begriffe die Magnolia verwendet, ein zurück blättern zum Glossar lohnt sich.

Ich habe diese Geschichte sehr genossen, die kleinen Zitterpartien machten es mir zu einem recht realen Erlebnis.
Es quietscht hier, es knarrt da, ich war an manchen Stellen starr vor Aufregung.
Das Buch wird ab sechzehn Jahren empfohlen, aufgrund der dunklen Atmosphäre halte ich dies für gerechtfertigt.

Die Trigger-Warnung zu Beginn ist nachvollziehbar. Es ist auf jeden Fall hilfreich, vorweg informiert zu sein, was im Laufe der Hausreinigung auf einen zukommt.
Mich hat es nicht abgeschreckt, ich war vorbereitet und hab das Buch in den Abendstunden zugeklappt und lieber bei Tageslicht gelesen.

 

 


Sonntag, 14. November 2021

Als wir verschwanden von Johanna Wolfmann

Was einem so alles durch den Kopf geht, wenn man plötzlich allein ist, nur keine Erkenntnisse. Allein gestrandet, aber mit einem Boot. Könnte schlimmer sein. Das nächste Sonnenbad will wohl überlegt sein.

Was ich an dem Buch mag, waren die Details, wie den Segeljargon, die Waffenkunde, die zitierten Bücher, etc..

Auflockernd und teilweise amüsant fand ich auch die Nebeneinwürfe und Gedanken von Anna.

Immer wieder Erinnerungen... wir erfahren etwas über andere... Andere, die sie jetzt gern um sich hätte, da ist nur die Stimme aus ihrer Vorstellung. Wobei ich an diesem Punkt nicht glaubte, dass sie lange allein blieb. Frauen bleiben nie lange allein.

Die Handlung fühlte sich wie ein Traum an. Verschiedene Szenen, Gedankengewirr, Stimmen aus dem Nirgendwo. Anna meint Parallelwelt. Habe gerade Hohlbeins "Schiff des Todes" gelesen. Aber so unheimlich wird es nicht.

Der Anfang erinnert mich an Blackout, der totale Stromausfall. Rien ne va plus.

Anna appelliert in verschiedenen Szenen gerne an den Umweltschutz, doch reden und selbst danach handeln, liegt ihr gern.

So badet sie mit Shampoo im Meer.

Solange die eigenen Werte nicht für uns selbst gelten, wird die Wirtschaft, Gesellschaft und Regierungsformen nicht umdenken. Nichts ist alternativlos.

Das Problem sind nicht die Anderen, die Gesellschaft, die Menschen, problematisch ist man oft selbst. Reden, man müsste, man sollte, man könnte ist gut und schön wie feine Haare, doch die eigenen gesalzenen Werte gelten eben nur für die Mitmenschen, denn selbst konsequent danach handeln tun wenige.

Es wird sich viel unterhalten und philosophiert über die Zukunft in dem Glauben. Diese Gesprāche lassen die äußere Bedrohungslage verblassen.

Witzig finde ich, dass die Überlebenden allerlei Vermutungen über die Ursache der Auslöschung vieler Mitmenschen anstellen, und darunter erscheinen, die verglichenen Phänomene aus anderen Romanen mitunter am plausibelsten. Für die, die hat nichts glauben, hat man dann Außerirdische. Das passt immer. Die, die sowieso schon glauben, schieben alles auf Gott.

Mit jeder Theorie ließen sich aufregende Romane schreiben.

Aber ist es überhaupt wichtig zu wissen, warum es passierte, wäre es nicht wichtiger ein Weg zu finden, dass das Bier wieder gekühlt ist?

Das Buch wird sicherlich nicht jeden Leser ansprechen. Es ist quasi eine Selektion. Nur bestimmte Leser werden bis zum Ende durchhalten und das statische Kribbeln spüren. Gibt es überhaupt ein Ende? Oder ist es ein Neuanfang inklusive Mittelleitplanke?

Anna hält ihr "Don't be afraid" Blatt hoch und ich ein Blatt mit 5 Sternen für einen ungewöhnlichen Roman voller guter Ideen und Ansichten, aber auch unnötiger Länge.

Ist der Buchinhalt wirklich neu und völlig überraschend? Nein, wohl aber aus einem anderen Blickwinkel erzählt. Ich höre parallel auch ein SF-Buch "Eden", wo das kleine Team ebenfalls nach Antworten sucht und mit allerlei komischen Phänomenen und Kreaturen konfrontiert ist. Das ist bei Anna und Co ähnlich, wenn auch philosophischer. Irgendwann kann selbst der schöne Strand sie nicht halten. Es treibt sie menschliche Neugier an. Ohne die Neugier, was bei "Als wir verschwanden" dahinter steckt, wird Euch das Buch nicht weiter bewegen. "Denkt konstruktiv, zielgerichtet, in die Zukunft - nicht zurück", meint Anna mit Nachdruck.

Der letzte Teil des Buchs beschreibt die neue Art. Konstruktiv, heißt gehorsam, zielgerichtet ist angepasst sein.

"Wie viel Mühe kostet die Niederschlagung und Verhütung von Aufständen: Geheimpolizei, andere Polizei, Spitzel, Gefängnisse, Verbannungen, Militär! Und wie leicht sind die Ursachen für Aufstände zu beseitigen."

Leo Tolstoi (1828 - 1910)

Apfel-Hefekuchen

 


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Mittwoch, 10. November 2021

Der Herzogmörder von Florian Clever

Ein Auftrag, ein Hinterhalt? Es geht spannend los mit einem Krieger aus Lhantor, einer Kriegergilde. Gute Instinkte und gute Ausrüstung, sowie kriegerisches Geschick sichern das Überleben. Wir werden sehen. 
Molovin kenne ich bereits aus anderen Büchern. Schön, den Haudegen wieder in Aktion zu sehen. Zeitlich ist die Novelle ganz am Anfang zu sehen. Die Geschichte erinnert mich an Tolkiens Herr der Ringe. Ein machtvollles magisches Utensil, welches eine unerwünschte Nebenwirkung hat. Reklamation geht nicht. Behalten oder Zurückgeben. Wie würdet ihr Euch entscheiden? Es ist eine Frage des Charakters bzw. der eigenen Prinzipien.
Das Buch ist kurz - daher schnell zu lesen und sehr unterhaltsam. Die Novelle ist eine gute Leseprobe für die, die überlegen, ob die Weisse Kristal Geschichten mit Molovin ihnen gefallen werden. Wenn ja dann geht es weiter mit Eisige Fehde.

Montag, 8. November 2021

Schiff des Todes von Wolfgang Hohlbein

Der Roman beginnt mit einem Prolog, der von einem polizeilich gesuchten kranken Blinden Passagier auf der MS Ocean Queen erzählt. Er hegt einen Haß gegen Deutsche.

In seiner ungemütlichen Zelle macht er eine Entdeckung.

Dann lerne ich im ersten Kapitel Angie, ihren Mann Claus und einen Parapsychologen Faller kennen. Um die Handlung mit den Worten von Angie zu beschreiben: »Esch ... ist sehr inre... terre ... schpannend.«.

Es passieren merkwürdige Dinge und irgendwie scheint das Schiff ein Eigenleben zu haben. Oder liegt es an den Getränken, die im Übermaß konsumiert werden.

Was jedoch real ist, dass jemand sich verkohlt hat und jemand anderes auf der Jagd ist. Tote Leben länger. Es wird undurchsichtig, für manche Horror, für mich ein Spuk. Haben all die Menschen einen Schatten? Mit jeder Seemeile kommen neue Erkenntnisse hinzu. Zusammengesetzt ergibt sich jedoch noch kein vollständiges Bild und das macht die Spannung im Buch aus. Ich wollte weiterlesen, trotz Qualm, trotz Trunkenheit, trotz komischer Beziehung, trotz Mystik, trotz der Vergangenheit des Schiffs, trotz Seekrankheit, trotz verlängerter Erbsensuppe, weil ich vermutete, dass ich das ganze Ausmaß des Eisbergs noch nicht gesehen habe und vieles noch unter der Meeresoberfläche an genialen Einfällen des Autors keucht und fleucht. Blut, Maschinengewehrsalven, Bombenen... und dann fragt der Faller: "Alles in Ordnung?".

Bis auf das Ende fand ich tatsächlich alles in Ordnung. Ich mag keine offenen Enden. Ich habe schon in den letzten Kapiteln gespürt, dass sich die Szenen wiederholen, sich die Handlung im Kreis dreht und kein Abschluss gelingt. Ein Verrat und Todesopfer im Krieg sind für mein Empfinden kaum eine Reportage wert. Daher kann ich Claus Motivation nicht ganz nachvollziehen einem ehemaligen Spion hinterherzulaufen.

Was ich beachtlich fand, dass es dem Autor Hohlbein gelungen ist, die Vision und die Gegenwart so zu beschreiben, dass ich mir stets die Situation, Raum und Zeit vorstellen konnte.

Zu dem Buch wünschte ich mir einen Nachfolgeband.