Freitag, 9. Juli 2021
Donnerstag, 8. Juli 2021
Dienstag, 6. Juli 2021
Catacombia von R.L. Ferguson Band 1
Auf einer Baustelle rutscht Sam in ein Loch und landet in einer fremden Umgebung.
Er wird von Kindern in seltsamer Kleidung in einem Netz fixiert und sie nehmen ihn mit.
Was
passiert mit ihm? Wo ist er auf einmal? Zunächst ängstlich, dann
neugierig auf das seltsame Umfeld, wird Sam allmählich vertraut damit.
Er ist in Catacombia gelandet, eine unterirdische Welt voller
Geheimnisse. Da er als Waise keine Familie hat, zieht es ihn nicht
zurück in das Heim, wo er seit langem gelebt hat.
Er freundet sich mit
Ella an, der Tochter seiner vorübergehenden Familie. Dank ihrer Hilfe
findet sich Sam in der seltsamen Welt von Catacombia schnell zurecht.
Er darf am Unterricht teilnehmen und lernt schnell, wie die Bewohner leben und arbeiten.
Als es zu einem Zwischenfall bei einer Feierlichkeit kommt, stellt sich für Sam die Frage, wer ist gut, wer ist böse.
Sollte
er lieber an die Oberfläche zurückkehren, oder gehört er sogar nach
Catacombia? Ein seltsames Muttermal könnte ein Hinweis auf seine
Herkunft sein. Sam kennt seine Eltern nicht.
Das Buch bietet
einem ein volles Spektrum an Spannung und extrem guter Unterhaltung. Es
ist ein Jugendabenteuer voller magischer Momente.
Die Kombination aus
Antike und Moderne machen es zu einem ganz besonderen Buch. Der Autor
schafft es sehr geschickt, Vergangenes mit Modernem zu kombinieren.
Es ist ein Märchen und gleichzeitig ein Science Fiction Abenteuer.
Ich
war von der ersten Seite an begeistert vom tollen Schreibstil. Sam ist
ein sympathischer Junge mit einem ebenso sympathischen Hund an seiner
Seite.
Die Welt von Catacombia ist wunderschön und bunt, voller
interessanter Entwicklungen, genialen Erfindungen und spannenden
Momenten. Die Charaktere bieten viel Abwechslung, sie sind sehr
individuell und sehr unterhaltsam.
Meine Begeisterung ist nur ein
wenig getrübt, durch die Einführung, die Sam erlebt. Manche Mitschüler
sind nicht nett zu ihm und seine Fragen werden nicht wirklich
beantwortet. Wie im richtigen Leben, gibt es Unzufriedenheit und Neid
unter den Schülern. Es ist jedoch beeindruckend, wie Sam dies alles
meistert.
Da es eine Fortsetzung gibt, muss sich auch der Leser mit manchen Antworten auf seine Fragen gedulden.
Es ist ein Jugendbuch ab 10 Jahre, was teilweise zu jung ist, da manche Szenen extrem spannend und ein bisschen brutal sind. Dafür ist der Schreibstil entsprechend angepasst.
Ich als Erwachsene hatte meine Freude am Buch und bin gespannt, auf den 2. Teil.
So magisch, wie das Cover gestaltet ist, so magisch ist auch die Geschichte.
Erschienen im Ravensburger Verlag GmbH am 15.04.2021
Kinder & Jugendbuch
384 Seiten
ISBN 9783473408535
Empfohlenes Alter: ab 10 Jahre
Galileo von Dieter Pueschel
Auf dem Cover ist auch Galileo in technischer Ausführung und als menschliches Profilbild abgebildet. Leider kommt der Mensch Galileo überhaupt nicht zu Wort. Daher habe ich ihm Raum für seine Meinung zum Buch in meiner Rezension gelassen. Er meint im Unterschied zu diesen Buch, sei das Buch der Natur mit mathematischen Symbolen geschrieben.
Die ersten Szenen in Buch spielen an unterschiedlichen Orten mit stets weiteren Personen und erscheinen mir zusammenhangslos: Wohnungsbrand, fehlendes Fachhandwerk, lange Schläuche, Polizei-Alltag.
Alle Charaktere werden ungewöhnlich detailliert beschrieben. Für meinen Geschmack ist das größtenteils unnötig. Es wäre geschickt, dem Leser dies indirekt aus den Handlungen, Dialogen und Mimiken/Gestiken der Charaktere schließen zu lassen. In manchen Dialogen habe ich schwierigkeiten zu erkennen, wer was sagt: Es geht mit meinen Worten etwas so: "Wo stehen wir?"
"Am Anfang..."
"Das ist nicht weit."
"Ja, aber es ist ein Anfang."
"Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will."
Was davon hat Galileo gesagt?
Dann aber nimmt die Geschichte ihren Gang. Eine Entführung, nein, Kidnapping, ja, aber Kidnapping von einem Satelliten. Das ist ja wie bei einem James Bond! Das ist jedoch noch nicht alles: "Erpressung"! Galileo, so heißt das Buch und das ist auch die Bezeichnung des europäischen Satellitensystems, bei dem zwei Satelliten unter fremder nicht autorisierter Kontrolle geraten sind. Galileo kennen wir ja als weltweit nutzbares Satelliten-Navigationssystem, um sich unabhängig vom amerikanischen GPS zu positionieren. Die technische Lösung am Himmel misst, was messbar ist. Die Ermittler hingegen müssen messbar machen, was noch nicht messbar ist.
Für mich wird das europäische Satellitensystem im Buch zu wenig thematisiert. Ich denke nicht, dass das Satellitensystem "Galileo" bereits zur Allgemeinbildung zählt und jeder die politischen Hintergründe kennt und wie GPS funktioniert.
"Wer die Geometrie begreift, vermag in dieser Welt alles zu verstehen."
Das Buch wird im Verlauf weniger technisch und geht in den Modus eines Krimis über. Es ist nicht gerade die klassische Art von Krimi, wo die Polizei dumm und unsynchronisiert herüber kommt und die Ermittlungserfolge von privaten Leuten erfolgen. Es geht erstens international zu und zweitens mit überraschend guter behördlicher Zusammenarbeit.
"Zwei Wahrheiten können sich nicht widersprechen."
Es kommen verwirrend viele Personen, Organisation und Nationen vor. Doch das finde ich realistisch und authentisch.
"Die Natur ist unerbittlich und unveränderlich, und es ist ihr gleichgültig, ob die verborgenen Gründe und Arten ihres Handelns dem Menschen verständlich sind oder nicht."
Es ist kein Krimi als "One-Man-Show" oder "Miss Marple-like", sondern es agiert ein globales Team mit schwarzen Schafen und Seals inklusive.
Es entwickelt sich eine Jagd, die die Ermittler rund um den Globus führt. Mir scheint es auch so, dass die Ermittler ihren Spass haben. Sie sind ganz unverkrampft und locker trotz langer Flugreise und neigen zu Scherzen und amüsanter Beschreibung ihrer Lage. Es werden keine Kosten und Mühen gescheut, Grenzen überschritten, denn es geht um noch viel mehr Geld als die Reisekosten.
"Wer will der Verstandeskraft und der Erfindungsgabe des Menschen Grenzen vorschreiben?"
Gute Frage, ich nicht. Ich fand die Kulisse, die eingesetzten Waffen, die Technik und den Tathergang recht anschaulich, authentisch beschrieben. Ich habe nur zum Schluss vermisst, dass der Autor etwas zu der wahren Begebenheit schreibt.
"Alle Wahrheiten sind leicht verständlich von dem Zeitpunkt an, wo sie aufgedeckt werden. Die Frage ist, ob sie aufgedeckt werden."
Der Roman ist quasi abgeschlossen, doch lässt er Raum für eine Fortsetzung und eine weitere Reise. Ich finde das gut, denn da stimme ich Galileo zu: "Wer die Wahrheit nicht kennt, ist nur ein Dummkopf.".
Ansonsten sind mir noch ungewöhnlich viele Rechtschreibfehler aufgefallen, die bei meiner Bewertung nicht zu einer Abwertung führten. Ich hatte auch das Gefühl, dass der Autor erst ab Mitte des Buches den Fluss der Handlung in Griff bekam. Zumindest fühlte ich mich erst ab Mitte des Buches grandios unterhalten.
Das letzte Wort hat Galileo:
"Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken."
Sonntag, 4. Juli 2021
Naglfar von Mikael Lundt
Es war einmal vor tausenden Jahren
Das Buch spielt im Grunde an einem Spielort und wäre in einem Film recht einfach zu produzieren. Diese Gegebenheit klingt zwar zunächst mehr als übersichtlich, doch der Ort birgt ein Geheimnis und möglicherweise auch eine Gefahr und die Dinge werden hyperorganischgalaktisch komplex.
Die Geschichte beginnt im Bergbaukomplex Svea II, Norwegen.
Wassili Petrov ist dort mit einem Erkundungstrupp unterwegs. Sie entdecken eine Höhle mit vermutlich 1.000 Jahre alten Felszeichnungen. Etwas passiert. Es ist ein typischer Prolog.
Annika nimmt später die Forschungsarbeiten auf. Sie wurde bereits auf die Höhle aufmerksam gemacht. Wird sie weiter kommen als ihr Vorgänger?
Torger Hansen und ein Schneemodell werden vermisst. Sirgundson ist der Sicherheitschef und hat viel zu tun, die Menschen vor Ort vor Schlimmeren zu bewahren.
Es ist eine Gratwanderung für die Forscherin Annika, etwas über die Funde herauszustellen. Es gibt viele Hinweise und Kombinationsfähigkeit sind gefragt. Der Leser kann sich auch Gedanken machen. Wir alle spüren die Zeit läuft. Ab in den sicheren Bunker oder rein Höhle des Löwen? Es gibt einen Spion und es gibt brutale Gegenspieler. Selbst Kollegen laufen Gefahr durchzudrehen. Ich selbst fiebere der Auflösung entgegen. Kapitel für Kapitel gibt es neue Erkenntnisse.
Der ganze ober- und unterirdische Komplex erinnert mich an die Area 51. Es fehlt nicht an finanziellen Mitteln für das Vorhaben, und es unterliegt höchster Geheimhaltung. Das Militär hat seine Finger Spiel.
Ich habe das Buch als sehr spannend empfunden. Es kann durchaus real passieren, dass im nicht mehr so ewigen Eis viele Artefakte schlummern, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Der Autor Mikael Lundt macht dies nun möglich und schildert in seinem Buch so eine wissenschaftliche Entdeckung sehr authentisch - viel authentischer als ich es von Lara Croft und Indianer Jones gewohnt bin. Das Buch mit dem Titel "Naglfar" ist keine Fußkrankheit, sondern arktisches Abenteuer das auch ohne die Oberweite einer Lara Croft punktet.
Es ist ein Werk, welches zum Nachdenken anregt, dass oft unsere Menschheitsgeschichte viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist und wir den Blick für die äußeren Einflüsse auf uns verlieren. Es gibt im Eis, aber auch noch im Universum soviel mehr, was von Bedeutung ist. Zum Beispiel ein gut gegrilles Steak von Koch Jörn Svensson.
Ich bewundere Annika, wie sie fast stoisch an ihrer Aufgabe dran bleibt und den Gefahren auf den Grund geht - mit vorsichtiger Neugier und Blick für Details. Geld oder Leben scheint nicht ihr Antrieb zu sein. Ich mag Menschen, die leidenschaftlich agieren. Und ich mag Bücher, die den eigenen Horizont erweitern. Das Packeis der Arktis kann durchaus packend sein, das weiß ich jetzt.
Donnerstag, 1. Juli 2021
Mord mit Schuss (Ein Folly-on-Weir-Krimi 1) von Stella Cameron
Eine Leiche mit Dartpfeil in der Halsschlagader und mit einem Hund wurden Alex Duggins gefunden. Sie ist frischgebackene Pub-Besitzerin und fürchtet um ihren Ruf. Der Dartpfeil stammt vermutlich aus ihrer Kneipe. Kann sich jemand aus der Kneipe so verworfen haben, dass dieser das Opfer mitten im Wald getroffen hat. Wohl eher nicht, es ist vermutlich ein Verbrechen. Aber warum und wer war das?
Alex hat ein nachvollziehbares Interesse, den mysteriöse Mord aufzuklären, um als Hinzugezogene in einem kleinen Dorf vor den Bewohnern eine reine Weste zu haben. Nicht nur im Pub verbreiten sich Gerüchte schnell. Alex hat eine gute Beobachtungsgabe für weiterführende Hinweise, die sich am Opfer feststellen ließen und arbeitet eng mit der Polizei zusammen, ob sie will oder nicht.
Der Mann war offenbar eine Art Mönch, dem nun der Ringfinger fehlt. Könnte das ein Hinweis sein? Der Mörder steckt nicht nur Dartpfeile in Hälse, sondern auch in Reifen. Irgendwann müsste man diesem mal die Dartregeln näher bringen. Er scheint da etwas missverstanden zu haben, mit dem ins Schwarze treffen.
Also lustig ist das Buch nicht, nicht, dass der falsche Eindruck entsteht. Als private Ermittlerin mit ganz eigenem Vorgehen und Schlüssen, Hartnäckigkeit, Behaarlichkeit und Keksen findet sie Gesprächspartner.
Der Leser schwebt in all dem gedanklich mit und muss abwägen, ob das jetzt wichtig ist oder nicht. Das erste Drittel des Buches fand ich deutlich besser. Die Aufklärung der Hintergründe kommt überraschend früh.
Das Buch ist nett beschrieben, die Charakter sind ebenfalls facettenreich dargestellt. Es ist kein klassischer und kein reiner Cosy-Krimi, der Plot realistisch, aber zu wenig packend. Das soll der Inhalt vermutlich auch nicht sein, sondern einfach unterhalten. Jo, Unterhaltungen kommen sehr viele vor - zu viele? Möglicherweise ist es auch eine Geschlechterfrage, wie Mann oder Frau dies beantworten.
Der Titel des Buches sagt mir nichts, auch nach Lesen des Buches nicht. Ich hätte es "Schluss mit Mord" genannt.




