Donnerstag, 13. Mai 2021
Montag, 10. Mai 2021
UTOPIA TERRANA von C. J. Knittel
Was wäre, wenn ...
Die erste Geschichte heißt "Der lange Marsch". Hah, den Titel kenne ich, denke ich mir. Da war doch die geniale Geschichte mit den Tonkari vom gleichen Autor C. J. Knittel. Bis auf dem Titel gibt es hier keine Verwandtschaft. Die schrecklichsten Monster essen mit Messer und Gabel, heißt es nicht verheißungsvoll. Ein Regime hat die Lufthoheit erobert und steht fünf Kilometer vor Mia-City. Dort war eine Wasserstoffbombe platziert, falls der Gegner einmarschiert und die Stadt nicht mehr zu halten ist. Welche Richtung sollte der versprengte Soldat der Separisten nun nehmen? Zurück hinter die feindlichen Linien oder in die belagerte Stadt zu seiner Separisten-Einheit und der Bombenstimmung. Es klingt nach einer unmöglich zu schaffenden Mission. Aber letztlich ist es eine für die gerechte Sache. Na dann, wegtreten, Soldat!
In der zweiten Geschichte geht es um eine Zeitmaschine. Mit ihr kann man nur in die Zukunft reisen. Egal wie weit das Team reist, die Zukunft ist fremdartig, fern und doch naheliegend. Alles hat sich weiterentwickelt, aber nicht die Vernunft der Menschheit, äussert sich ein Arzt aus der Zukunft frustriert und bringt es damit auf den Punkt. Der Mensch ist wieder das Monster. Hoffnung geben nur Einzelpersonen, die nicht wie gelähmt verängstigt da sitzen. Wir nehmen mit: Nicht höher, weiter, schneller sollte stets unsere Devise sein, wir könnten auch in Kreisläufen denken.
Die nächste Geschichte handelt von einem abgestürzten Raumschiff. Es galt seit 300 Jahren als verschollen. Gibt es Überlebende? Und wenn ja, was macht man mit ihnen? Ist es die Entscheidung aus einer Befehlskette heraus oder sollte man über die Entscheidung nachdenken?
In der Geschichte "Methusalem-Effekt" wird eine Entdeckung gemacht. Es ist anfangs nicht klar, worum es sich handelt. Ist es etwas Besonderes oder ist es nichts. Eine Spur führt zum Mann im Monde, der für die Menschen ein lebensverlängerndes Mittel hätte, aber wäre das eine gute Idee?
In die "Die Geister von WegaC" wird eine neue Bauleitung gesucht auf WegaC. Wäre das ein Job für Euch? Der Planet ist nicht ganz ungefährlich. Es gibt Einheimische. Aber worin unterscheidet sich die fremde Rasse von uns Menschen?
In "Der letzte seiner Art" fragen wir uns: Kann das Schicksal der Erde vermieden werden? Was wenn man den Lauf der Dinge beeinflusst? Wer hätte das Recht? Würde es das Richtige sein?
In der Geschichte "Das Wort Hermes" findet ein Dialog mit Ansichten über die Menschheit statt. Die Menschheit scheint zu glauben, sie stehe über und nicht in der Natur. Wenn der Mensch diesen Glauben mit dem Verstand paaren würde, wäre der Mensch zu großartigen Dingen bereit, möglicherweise auch, um seinen Selbsterhaltungstrieb zu überwinden.
Der "Herr der Besen" Titel kommt zum Schluss. Wie passend! Läufer, wie ich, kennen den Besenwagen von Laufveranstaltungen. Er sammelt diejenigen ein, die es nicht mehr schaffen. Ich lese automatisch schneller. P36 ist ein Roboter, der Verhalten von Menschen nachahmt. Er putzt kaum merklich jeden Tag ein Gramm weniger. Wird es wirklich keiner merken, wenn er eines Tages gar nicht mehr putzt?
Der Großteil der Geschichten hat ein überraschendes Ende. Nicht unbedingt immer ein Positives. Mitleid nimmt der Brutalität von Entwicklungen hier und da die Härte. In den Geschichten manövriert sich Menschheit stets an den Abgrund. Vielleicht soll es so sein. Große Dinosaurier gibt es ja auch nicht mehr. Die Menschheit wird immer größer, auch der technische Verstand wächst. Der Wachstum ist Treiber und Motor zugleich. Doch nichts geschieht ohne Konsequenz.
Kommen wir zur meiner Schlußfolgerung für diese utopische Sammlung. Der Schreibstil und die außergewöhnlich pointierten Kurzgeschichten verdienen volle fünf Sterne. Möge der Sternenhimmel uns nicht zeitnah auf den Kopf fallen.
Sonntag, 9. Mai 2021
Samstag, 8. Mai 2021
Mörderische Idylle: Ein Elsass-Krimi von Eduard-Florian Reisigl
Nicht vom Elsass reden, ohne es durch den Magen zu sehen
Das Buch "Mörderische Idylle" beginnt mit einem Interviewversuch mit einem Jäger, der mutmaßlich Fleisch im Umlauf bringt, welches jedoch nicht zuvor untersucht wurde.
Christof hingegen ist ein leidenschaftlicher Koch und er weiß das Leben auf kulinarische Art zu genießen. Doch es gibt scheinbar Leute, die ihm in die Suppe spucken.
Eines Tages passiert etwas Ungewöhnliches. Sein Gast und Testesser, der für seinen Koch-Blog Werbung machen wollte, lag mausetot da. Dabei war der zweite Gang mit angebrannten karamellisierten Karotten bereits in Vorbereitung. Er gerät sogar in Verdacht, sein Gast tot gekocht zu haben. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als es seinem Hund gleich zu tun und selbst zu schnüffeln. Wer mag Interesse haben, ihn verdächtig zu machen oder war alles nur Zufall, dass ausgerechnet auf seinem Klo jemand das Zeitliche segnet?
Commissaire de Police Léon Moreau ermittelt und es wird ihm klar, dass Blogseiten heutzutage kein Hexenwerk sind, sondern schnell erstellt sind. Das bringt ihn auf eine heiße Spur. Es muss etwas mit Digital, äh Degustation, nein, Digitalis zu tun haben.
Christof kommt sehr rührig für mich rüber. Was will man auch von einem Koch anderes erwarten, der natürlich keine Lust hat, weiterhin verdächtig in den Augen des Commissaire zu sein. Vielleicht sollte er das Poster mit den giftigen Gewächsen aus seiner Küche verbannen.
Für mich waren die Täter mehr als durchsichtig. Bei Christof 's Ermittlungen kann ich verstehen, dass er etwas länger mit der ihm zur Verfügung stehenden Information brauchte. Aber der aufmerksame Leser weiß in der Regel gleich zu Beginn des Krimis, welche Figuren noch auf ungutes Pflanzenwissen zurückgreifen können.
Trotzdem habe ich Idylle bis zum Ende durchgehalten, weil der Christof einfach ein sympathischer Typ ist. Verbundenheit geht ja quasi durch den Magen, den Josef auf angenehme Weise zu füllen vermag. Ein typischer Cosy Crime für Leser, die ein gutes Essen einem raffinierten Mord vorziehen.
Mach mir'n Kind von Melanie Amélie Opalka
Die natürlichste Sache der Welt ist nicht unkompliziert
Nach den ersten Versuchen und Jahren stellt sich Frustration ein. Was passiert nun? Legt sich die anfängliche Euphorie und Aufgeregtheit? Flacht der Kinderwunsch ab? Oder hat ein Storch Mitleid und bringt ein Kind vorbei?
Trotz allen - wirklich allen Versuchen - stellt sich kein Erfolg ein. Also muss ein Mediziner her, der ordentlich nachhilft. Es bleibt nicht bei einem Doktorspiel. Dabei erfahre ich ein paar informative Fakten und Statistiken von den zahlreichen sehr privaten Arztbesuchen und den Beratungsgeprächen. Dabei geht es um Risiken der Schwangerschaft, Eileiter-Schwangerschaft, Kinderkrankheiten, Spritzen zum Nachhelfen, künstliche Befruchtung, Fruchtbarkeitsuntersuchung etc.. Eigene Recherchen des Mannes finden heraus, dass es auch Apps gibt, wie z.B. eine Ei-Sprung-App.
Schnell wird geheiratet, um die Voraussetzungen zu haben, dass die Kosten vieler Maßnahmen von der Krankenkasse übernommen werden. Wobei eine Hochzeit wohl mehr kostet, aber ein Mann ist schließlich Schnäppchenjäger. Und in diesem Fall bleibt nicht unerwähnt, dass es sich ja um die vermeintlich beste Ehefrau der Welt handeln würde. Gefühlt 78 mal lese ich das im Buch und mir klingeln schon die Ohren. Dabei weiß ich genau, das ist bereits meine Frau.
Immer wieder kommen Zweifel, dass sich die Familie vergrößert. Was wenn es nicht klappt, nie klappen wird? Wir sind doch schon sooooo alt! Ab wann sollte Mann oder Frau, oder beide den Kinder-Wunsch begraben?
Vieles wird verflucht, ausgesucht, untersucht und nichts unversucht gelassen. Der Mann, der diese Kindersucht-Geschichte erzählt, kommt mir irgendwie sehr hingebungsvoll und fürsorglich vor. In jeder guten Ehe gibt es auch ... ja aber hier kommt künstlerische Freiheit zum Zug und alle verhalten sich vorbildlich. Immer steht das ungeborene Leben im Vordergrund. Es wird irgendwann in einem Buch lesen, dass die Eltern keine Kosten und Mühen gescheut haben, um es zu bekommen. In dieser Situation stelle ich mir das sehr komisch für das Kind dar. Wie viel Wahrheit in dem Buch steckt, wird das Kind eines Tages aus erster Hand erfahren. Wir Leser nicht.
Wir können trotzdem aus der Geschichte lernen, wie so ein Projekt zu bewältigen ist. Gemeinsam, mit Dranbleiben und sich nicht abbringen lassen. Das hilft übrigens auch im Beruf, besonders als Betriebsrats-Mitglied.
Wenn es dann vollbracht ist, dann wird alles anders. Die Änderungen im Ultraschall zu sehen, stelle ich mir faszinierend vor. Wer mit Änderungen umgehen kann, lebt entspannter - gerade als werdende Eltern. Ändern tut sich auch der Bauchumfang von beiden. Einige Änderungen müssen auch an die Behörden gemeldet werden für Geburtsurkunde, Pass, Krankenversicherung und Kindergeld.
Letztlich bleibt eigentlich nur, meine herzlichsten Glückwünsche nachträglich zu überstellen.
Freitag, 7. Mai 2021
Raumportal: Gefangen in den Tiefen das Alls von Erik Gentzsch
In meinen Händen halte ich gewaltiges Buch, was einige Stunden Lesevergnügen bereit hält. Es heißt "Raumportal: Gefangen in den Tiefen das Alls".
Das Besondere des ersten Kapitels ist, dass hier die Hauptfiguren außerirdische Kreaturen sind, also keine Menschen wohlgemerkt. Die Namen klingen etwas ungewöhnlich. Trotz Glossar weiß ich nicht, wie man sie korrekt ausspricht. Aber ich muss ja auch nur lesen und nicht vorlesen. Eine zentrale Figur ist Kchrak. Danke, aber das war kein Nießer von mir, sondern so heißt er und andere Namen sind noch viel unaussprechlicher. Nun, es sind halt Außerirdische. Nach dem Studium des Buches werden diese immer vertrauter und ich bin überrascht wie viele Namen ich mir merken kann. Wobei manche Namen auch nur für Kurzzeitgedächtnis taugen, weil sie doch arg früh das Zeitliche gesegnete haben. Kchrak hat gleich zu Beginn jede Menge zu tun. Es verschaffen sich Gegenspieler Zugriff bei einer Versammlung. Er ist für die Sicherheit der Clanoberhäupte verantwortlich. Sie flüchten mit einem Teil des Clans und werden immer wieder von Angreifen überfallen.
Weiter geht mit Markus, der Techniker ist und in einer ganz anderen Welt lebt, nämlich bei uns auf Erde. Dort geht er seinen Erfindungen nach, wie zum Beispiel der Raumenergiegenerator, der sich prächtig verkaufen lässt. Er ist Teil einer Erfindertruppe. Manni stellt den anderen ein kleines Raumportal vor, welches Nik und er durch Verschränkung von elementaren Teilchen quasi mit ein paar Klicks auf dem Smartphone erschaffen kann. Die anderen sind verblüfft und ich auch.
Vor 15 Jahren war die Erfindung bereits getestet und abgeschlossen. Dann hatten sie ein neues Projekt, ein Raumschiff zu bauen. Was nützt nämlich ein Raumportal, was sich eignet zu fernen Orten zu gelangen, wenn man kein Raumschiff als schützende Hülle vor kosmischer Strahlung hat. Das Raumschiff haben sie hinterm Mond versteckt, damit Astronomen es nicht entdecken. Das ist zum Glück die einzige unglaubwürdige Stelle im Buch.
Eine erste Expedition durchs All zu den bekannten Planeten wird geplant und anschließend ausgeführt. Man muss kein Hellseher sei, um zu erahnen, dass dabei etwas schief geht. Ich erinnere an den Untertitel "Gefangen in den Tiefen des Alls".
Aber es kommt überraschenderweise anders. Die Mission verläuft überwiegend gut. Sogar Kaffee gibt es an Bord. Der Erfolg wird von Medienvertretern allerdings nicht wirklich gesehen. Sie ermitteln, wo das Geld für solch eine Unternehmung herkam und zogen ihre Schlüsse. Waren die Raumfahrer über Leichen gegangen, um an ihr Geld zu kommen?
Sie gehen ein zweites Mal in den Weltraum, diesmal auf die Suche nach intelligentem Leben. Wir wissen ja schon vom ersten Kapitel, dass es zwei Spezies gibt und es kommt, wie es kommen muss, sie treffen aufeinander. Jeder gegen jeden, einer gegen alle, alle miteinander, das ist die Frage. Rein von Neugier getrieben stolpert unser Team mit Hightech hinaus in die großen Weiten, wo nie zuvor ein Mensch gewesen ist. Naiv, aber trotzdem aus Fehlschlägen lernend, scheuen sie nicht die Gefahr.
Ich fand die Reise unglaublich aufregend. Es passiert eigentlich nichts Unrealistisches oder Unvorstellbares, wie es in anderen Science Fiction Romanen oft der Fall ist. Die Geschichte wirkt auf eigentümliche Weise authentisch. Selbst die Technik steht nicht so sehr im Vordergrund. Sie ist Mittel zum Zweck.
Dafür werden die Charaktere liebevoll beschrieben, Riten, Gebräuche, Geschichte, Äußeres, Verhalten, ... ja es sterben auch einige, aber vielleicht wären es noch mehr, wenn die Erfindertruppe nicht aktiv zur Stelle wäre.
Was ich herausheben möchte, sind die kulinarischen Speisen. Bei anderen Science Fiction Romanen habe ich oft den Eindruck, hier wird gar nichts gegessen oder allenfalls Pillen oder eine Maschine, die auf Knopfdruck Essen bereitgestellt. Hier im Buch werden komische Pflanzen und Zappel-Alientiere notgedrungen geschlachtet und zubereitet. Ungewissheit besteht, ob man die Nahrung verträgt, aber der Hunger treibt es rein. Oft ist das Geschmackserlebnis überraschend positiv.
Es sind diese vielen Details, die zwar für die Handlung nicht notwendig sind, aber alles lebendiger erscheinen lässt. Das Buch ist sehr seitenstark, stellenweise gibt es kaum Absätze. Kleine Schrift und Zeilenabstand sorgen dafür dass es noch gerade so im praktischen Format als Hitchhikers-Handbuch für die Milchstraße durchgeht.
Das Schöne an dem Buch ist, dass die Menschen beinahe ganz ohne Waffen auskommen. Mit dem mobilen Portal ergeben sich ganz neue Möglichkeiten, sich Zutritt zu verschaffen und auch wieder zu verdünnisieren, wenn oder bevor es brenzlig wird. Es geht nicht immer pazifistisch zu, meistens entstehen irgendwelche Nahkämpfe. Der Autor Erik Gentzsch (der Name mutet auch etwas außerirdisch an...) scheint irgendwie ein Faible für Stabhandwaffen zu besitzen, die auffällig häufig zum Einsatz kommen.
Dadurch, dass das Erfinderteam getrennt wurde, ergeben sich völlig entkoppelte Handlungsstränge, die damit noch mehr Bewegungen mit Außerirdischen ermöglichen. Ob das gut ist? Auf der Milchstraße ist richtig was los. Der interstellare Raum ist voll von Außerirdischen. Aber irgendwie sind die auch nicht weiser und intelligenter als die Menschheit. So gesehen ist die Suche nach intelligentem Leben erfolglos, aber die Zielsetzung ändert sich auch. Es bahnen sich mehr und weniger tiefgehende Freundschaften zwischen den Rassen an und mitunter auch ganz offensichtliche Feindschaften, für die es gar keinen erkennbaren Grund gibt. Aber egal wie es ausgeht, auf der Erde würden die Erlebnisse mit Sicherheit nicht abgekauft oder zu ihren Nachteil ausgelegt: Anzeige wegen interstellare Ruhestörung oder so. Den Juristen fällt schon was ein.
Also, wenn ihr Lust auf so einen dicken Schmöker habt und nicht mit verschränkten Armen dasitzt und über beschränkte Vorstellungskraft verfügt, dann könnt ihr dank der verschränkten Teilchen alle Schranken überwinden. Viel Spaß!
Das Besondere des ersten Kapitels ist, dass hier die Hauptfiguren außerirdische Kreaturen sind, also keine Menschen wohlgemerkt. Die Namen klingen etwas ungewöhnlich. Trotz Glossar weiß ich nicht, wie man sie korrekt ausspricht. Aber ich muss ja auch nur lesen und nicht vorlesen. Eine zentrale Figur ist Kchrak. Danke, aber das war kein Nießer von mir, sondern so heißt er und andere Namen sind noch viel unaussprechlicher. Nun, es sind halt Außerirdische. Nach dem Studium des Buches werden diese immer vertrauter und ich bin überrascht wie viele Namen ich mir merken kann. Wobei manche Namen auch nur für Kurzzeitgedächtnis taugen, weil sie doch arg früh das Zeitliche gesegnete haben. Kchrak hat gleich zu Beginn jede Menge zu tun. Es verschaffen sich Gegenspieler Zugriff bei einer Versammlung. Er ist für die Sicherheit der Clanoberhäupte verantwortlich. Sie flüchten mit einem Teil des Clans und werden immer wieder von Angreifen überfallen.
Weiter geht mit Markus, der Techniker ist und in einer ganz anderen Welt lebt, nämlich bei uns auf Erde. Dort geht er seinen Erfindungen nach, wie zum Beispiel der Raumenergiegenerator, der sich prächtig verkaufen lässt. Er ist Teil einer Erfindertruppe. Manni stellt den anderen ein kleines Raumportal vor, welches Nik und er durch Verschränkung von elementaren Teilchen quasi mit ein paar Klicks auf dem Smartphone erschaffen kann. Die anderen sind verblüfft und ich auch.
Vor 15 Jahren war die Erfindung bereits getestet und abgeschlossen. Dann hatten sie ein neues Projekt, ein Raumschiff zu bauen. Was nützt nämlich ein Raumportal, was sich eignet zu fernen Orten zu gelangen, wenn man kein Raumschiff als schützende Hülle vor kosmischer Strahlung hat. Das Raumschiff haben sie hinterm Mond versteckt, damit Astronomen es nicht entdecken. Das ist zum Glück die einzige unglaubwürdige Stelle im Buch.
Eine erste Expedition durchs All zu den bekannten Planeten wird geplant und anschließend ausgeführt. Man muss kein Hellseher sei, um zu erahnen, dass dabei etwas schief geht. Ich erinnere an den Untertitel "Gefangen in den Tiefen des Alls".
Aber es kommt überraschenderweise anders. Die Mission verläuft überwiegend gut. Sogar Kaffee gibt es an Bord. Der Erfolg wird von Medienvertretern allerdings nicht wirklich gesehen. Sie ermitteln, wo das Geld für solch eine Unternehmung herkam und zogen ihre Schlüsse. Waren die Raumfahrer über Leichen gegangen, um an ihr Geld zu kommen?
Sie gehen ein zweites Mal in den Weltraum, diesmal auf die Suche nach intelligentem Leben. Wir wissen ja schon vom ersten Kapitel, dass es zwei Spezies gibt und es kommt, wie es kommen muss, sie treffen aufeinander. Jeder gegen jeden, einer gegen alle, alle miteinander, das ist die Frage. Rein von Neugier getrieben stolpert unser Team mit Hightech hinaus in die großen Weiten, wo nie zuvor ein Mensch gewesen ist. Naiv, aber trotzdem aus Fehlschlägen lernend, scheuen sie nicht die Gefahr.
Ich fand die Reise unglaublich aufregend. Es passiert eigentlich nichts Unrealistisches oder Unvorstellbares, wie es in anderen Science Fiction Romanen oft der Fall ist. Die Geschichte wirkt auf eigentümliche Weise authentisch. Selbst die Technik steht nicht so sehr im Vordergrund. Sie ist Mittel zum Zweck.
Dafür werden die Charaktere liebevoll beschrieben, Riten, Gebräuche, Geschichte, Äußeres, Verhalten, ... ja es sterben auch einige, aber vielleicht wären es noch mehr, wenn die Erfindertruppe nicht aktiv zur Stelle wäre.
Was ich herausheben möchte, sind die kulinarischen Speisen. Bei anderen Science Fiction Romanen habe ich oft den Eindruck, hier wird gar nichts gegessen oder allenfalls Pillen oder eine Maschine, die auf Knopfdruck Essen bereitgestellt. Hier im Buch werden komische Pflanzen und Zappel-Alientiere notgedrungen geschlachtet und zubereitet. Ungewissheit besteht, ob man die Nahrung verträgt, aber der Hunger treibt es rein. Oft ist das Geschmackserlebnis überraschend positiv.
Es sind diese vielen Details, die zwar für die Handlung nicht notwendig sind, aber alles lebendiger erscheinen lässt. Das Buch ist sehr seitenstark, stellenweise gibt es kaum Absätze. Kleine Schrift und Zeilenabstand sorgen dafür dass es noch gerade so im praktischen Format als Hitchhikers-Handbuch für die Milchstraße durchgeht.
Das Schöne an dem Buch ist, dass die Menschen beinahe ganz ohne Waffen auskommen. Mit dem mobilen Portal ergeben sich ganz neue Möglichkeiten, sich Zutritt zu verschaffen und auch wieder zu verdünnisieren, wenn oder bevor es brenzlig wird. Es geht nicht immer pazifistisch zu, meistens entstehen irgendwelche Nahkämpfe. Der Autor Erik Gentzsch (der Name mutet auch etwas außerirdisch an...) scheint irgendwie ein Faible für Stabhandwaffen zu besitzen, die auffällig häufig zum Einsatz kommen.
Dadurch, dass das Erfinderteam getrennt wurde, ergeben sich völlig entkoppelte Handlungsstränge, die damit noch mehr Bewegungen mit Außerirdischen ermöglichen. Ob das gut ist? Auf der Milchstraße ist richtig was los. Der interstellare Raum ist voll von Außerirdischen. Aber irgendwie sind die auch nicht weiser und intelligenter als die Menschheit. So gesehen ist die Suche nach intelligentem Leben erfolglos, aber die Zielsetzung ändert sich auch. Es bahnen sich mehr und weniger tiefgehende Freundschaften zwischen den Rassen an und mitunter auch ganz offensichtliche Feindschaften, für die es gar keinen erkennbaren Grund gibt. Aber egal wie es ausgeht, auf der Erde würden die Erlebnisse mit Sicherheit nicht abgekauft oder zu ihren Nachteil ausgelegt: Anzeige wegen interstellare Ruhestörung oder so. Den Juristen fällt schon was ein.
Also, wenn ihr Lust auf so einen dicken Schmöker habt und nicht mit verschränkten Armen dasitzt und über beschränkte Vorstellungskraft verfügt, dann könnt ihr dank der verschränkten Teilchen alle Schranken überwinden. Viel Spaß!
Donnerstag, 6. Mai 2021
Abonnieren
Posts (Atom)

















